KBV betont Rolle der Praxen bei Coronaimpfungen und fordert Ende der Priorisierung

Berlin – Auf die große Bedeutung der Arztpraxen bei den Coronaschutzimpfungen hat heute der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, verwiesen. „Das ist tatsächlich wahrscheinlich der entscheidende Meilenstein im Kampf gegen die Pandemie“, sagte er bei der digitalen KBV-Vertreterversammlung. Mit den in den nächsten Wochen laut Zusagen deutlich steigenden Liefermengen an Impfstoffen spräche alles dafür, die Priorisierung bald aufzuheben.
„Jede und jeder kann dann die Praxis des Vertrauens kontaktieren und sich dort impfen lassen“, so Gassen. Dies sei dann der Schritt zur Rückkehr in die Normalität und den „schmerzlich vermissten Grundrechten“. Damit könnten die Vertragsärztinnen und -ärzte das Versprechen einlösen, welches die Politik mehrfach gemacht und gebrochen habe.
Ihm sei schleierhaft, so der KBV-Chef, wie die Politik Vertrauen und immer erneut letzte Reserven bei den Menschen mobilisieren wolle. Zudem vermisste der KBV-Vorstandsvorsitzende eine echte Strategie zur Pandemiebekämpfung: „Außer die Hoffnung, dass die Ärzte währenddessen einfach so lange impfen, bis der Großteil der Bevölkerung immunisiert ist.“
In diesem Zusammenhang betonte Gassen, die flächendeckende, wohnortnahe Versorgung, die die Menschen kennen und denen sie vertrauen, könne auch in Zukunft nur durch die Praxen sichergestellt werden. Die Programme der Parteien zur Bundestagswahl enthielten jedoch wenig Substanzielles zur Stärkung der vertragsärztlichen Versorgung.
Umso wichtiger sei es, dass man seitens der KBV und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) Ideen und Vorschläge für ein zukunftsfestes Gesundheitswesen in die Politik einbringe – die KBV stellte hierzu ihr Konzeptpapier „KBV 2025 – Strukturen bedarfsgerecht anpassen, Digitalisierung sinnvoll nutzen“ vor.
Auch mit Blick auf die ersten Ergebnisse der diesjährigen KBV-Versichertenbefragung speziell zur Coronathematik, verwies der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Stephan Hofmeister, auf das Vertrauen der Patienten in die Haus- und Fachärzte.
„Ganz offensichtlich wissen die Menschen hierzulande, was sie an ihren Ärztinnen und Ärzten haben“, konstatierte Hofmeister. Nur die Politik, oder zumindest bestimmte Teile, zeigten sich hiervon unbeeindruckt.
Die dezentralen Strukturen aus inhabergeführten Praxen, die im Vergleich mit vielen anderen, auch europäischen Staaten so deutliche Vorteile verschafft hätten, seien „nicht naturgegeben“.
Wenn es jetzt endlich Hoffnung auf ein absehbares Ende des Ausnahmezustandes und einen Ausweg aus der Pandemie gebe, so liege das maßgeblich an der „andauernden Bereitschaft, maximalen Flexibilität und enormen Leistungsfähigkeit“ der vertragsärztlichen Praxen und ihrer großartigen Praxisteams. „Die Politik sollte das endlich anerkennen und danach handeln“, so Hofmeister.
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