Kinder- und Jugendärzte weisen wiederholt auf Versorgungsengpass hin
Köln – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat wiederholt vor einem Versorgungsengpass gewarnt. „Das Gesundheitssystem ist von den aktuell vielen Geburten völlig überfordert“, teilte der BVKJ gestern mit.
Schon bei der Anmeldung zu den ersten Vorsorgeuntersuchungen erfahren Eltern den Angaben zufolge, dass sie sich auf lange Wartezeiten einstellen müssen. Grund dafür sei, dass viele Praxen keine neuen Patienten aufnehmen könnten. Besonders große Städte sind laut Verband betroffen, weil dort auch die Geburtenrate höher ist.
Der BVKJ gibt an, dass 2016 in Deutschland 776.883 Kinder geboren wurden. Das Statistische Bundesamt teilte auf Anfrage mit, man rechne mit einem leichten Anstieg bei der Zahl der Geburten im Jahr 2016. Laut Schätzungen der Statistiker kamen zwischen 730.000 und 770.000 Kinder auf die Welt. 2015 waren es laut Bundesamt 737.575.
„Wir brauchen deutlich mehr Kinder- und Jugendärzte“, sagte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach. Das liege daran, dass die jungen Ärzte nicht mehr 50 bis 60 Stunden in der Woche arbeiten, wie es früher üblich war. Zudem gehen Fischbach zufolge in den kommenden fünf Jahren noch einmal ein Viertel aller Kinder und Jugendärzte in den Ruhestand. Der Bedarf an Ärzten ist laut BVKJ aufgrund von Zahlen zu einem Zeitpunkt berechnet worden, als „von dem aktuellen Babyboom noch nichts zu ahnen war“.
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