Kinder- und Jugendärzte wollen rasche Umsetzung des Masernschutzgesetzes

Köln/Berlin – Die Kinder- und Jugendärzte in Deutschland warnen davor, die Umsetzung des Masernschutzgesetzes um rund eineinhalb Jahre zu verschieben. Eigentlich soll bis Ende Juli dieses Jahres der Immunstatus aller Personen in Schulen und Kitas erfasst werden. Der Bundesrat trat allerdings in der vergangenen Woche auf die Bremse.
Er hatte beschlossen, die Bundesregierung aufzufordern, dem im Infektionsschutzgesetz festgelegten Zeitraum für den Masernschutz in Gemeinschaftseinrichtungen zu verlängern. Das Land Niedersachsen hatte den Antrag dazu in den Bundesrat eingebracht.
Die Länder wollen mehr Zeit zur Umsetzung der neuen Vorgaben des Masernschutzgesetzes. Der Grund: Schulen, Kitas und Gesundheitsämter sähen sich wegen der Coronapandemie außerstande, die gesetzlich geforderten Vorgaben zu vollziehen und fordern daher Zeit bis zum 31. Dezember 2022.
„Deutschland impft im Vergleich mit vielen anderen Ländern schon seit Jahren zu wenig gegen Masern“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach. Die Umsetzung des Masernschutzgesetzes dürfe jetzt nicht wegen der Pandemie auf die lange Bank geschoben werden.
Jede Verzögerung könne dazu führen, dass sich Kinder in Kitas oder Schulen mit der hochansteckenden Krankheit infizieren. Vor allem Immunsupprimierte und Säuglinge, die aufgrund ihres Alters noch nicht geimpft werden konnten, seien gefährdet.
Ralph Köllges, Präventionsbeauftragter Impfen des BVKJ Nordrhein, sprach von einem „Skandal“. „Der Staat ist dafür verantwortlich, dass Kinder und Jugendliche in öffentlichen Einrichtungen sicher sind vor der lebensgefährlichen Masernerkrankung. Eine Verschiebung der Umsetzung des Masernschutzgesetzes bedeutet, dass es diese Sicherheit weitere 1,5 Jahre nicht geben wird“, sagte er.
Köllges appellierte an die Bundesregierung, die Initiative der Länder nicht aufzugreifen, sondern auf der geplanten Umsetzung zu bestehen „und spätestens ab Juli dieses Jahres dafür zu sorgen, dass alle Personen, die in Kitas und Schulen in Deutschland betreut werden oder dort arbeiten, nachweislich gegen Masern geimpft sind“, so Köllges.
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