Kinderärzte in Niedersachsen sind überlastet

Hannover – Niedersachsens Grüne sehen bei den Kinderärzten im Land eine Versorgungslücke und kritisieren zu lange Wege bis zum nächsten Notfalldienst. „Eltern werden von Kinderärzten reihenweise abgewiesen oder müssen in Niedersachsen mehr als 60 Minuten zum nächsten Bereitschaftsdienst fahren“, kritisierte die Abgeordnete Meta Janssen-Kucz (Grüne) als Reaktion auf Antworten des Gesundheitsministeriums zu einer Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion.
In der Antwort beruft sich das Ministerium auf Zahlen des niedersächsischen Statistikamtes, wonach die Geburtenzahlen im Land seit dem Jahr 2000 von 79.436 auf 75.215 im Jahr 2016 gesunken sind. Dagegen waren nach Angaben der Kassenärzten Vereinigung (KV) Niedersachsen Ende Februar 508 Kinderärzte im Land tätig – im Jahr 2000 waren es nur 456. Die Landesregierung geht daher in ihrer Antwort von einer „ausreichenden Versorgung“ aus.
Dies entspricht allerdings nicht der Wahrnehmung der KV. „Zurzeit sind die Wartezimmer überfüllt, der Unmut der Eltern wächst und Kinder- und Jugendärzte arbeiten am Limit“, kritisiert die Ärztevertretung auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes.
Für Kinderärzte gibt es in Niedersachsen laut der KV 44 Planungsbereiche. In 42 herrscht eine rechnerische Überversorgung von über 110 Prozent. Diese Landkreise sind für Neuniederlassungen gesperrt. Lediglich im Landkreis Cloppenburg und um Landkreis Nienburg/Weser kann sich jeweils ein Kinderarzt niederlassen.
Von der Bedarfsplanung zur Versorgungsplanung
Die aktuelle Bedarfsplanung, welche die KV rechtlich umsetzen müsse, sei allerdings „ein mathematisches Modell, das nicht die Versorgungsrealität wiederspiegelt“. Die KV spricht sich daher dafür aus, von der klassischen Bedarfsplanung zu einer Versorgungsplanung zu kommen. Bei der Versorgungsplanung müsste der tatsächliche Bedarf an einzelnen Leistungen ermittelt werden.
„Kinder- und Jugendarztpraxen müssen dort sein, wo Eltern sie brauchen, vor allem in den dicht besiedelten Großstadtvierteln oder auch auf dem Land“, fordert die KV. Die Krux sei allerdings, dass es deutlich zu wenig Nachwuchsmediziner gebe, die die Lücken füllen könnten. Parallel zur Veränderung bei der Bedarfsplanung müssten daher deutlich mehr junge Mediziner in Kinderheilkunde ausgebildet werden, so die Forderung der KV.
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