Klima-Toolbox soll Praxen bei Vorbereitung auf klimabedingte Gesundheitsrisiken helfen

Berlin – Ärztinnen und Ärzte können jetzt eine digitale Klima-Toolbox abrufen, die sie dabei unterstützen soll, ihre Praxen auf klimabedingte Gesundheitsrisiken vorzubereiten. Dies wurde gestern bei einer Veranstaltung zum Projekt AdaptNet bekanntgegeben.
Der Werkzeugkoffer enthält unter anderem interaktive Risikokarten zur regionalen Analyse klimabedingter Gesundheitsrisiken, Checklisten für Extremwetterlagen und sogenannte Infozepte, auf denen Patienten gezielte Verhaltensempfehlungen ablesen können.
Eine Hitzetabelle ermöglicht einen Überblick über Medikamentenanpassungen im Sommer, ein Algorithmus zur Medikamentenanpassung gibt Hilfestellung beim Vorgehen. Eine kostenfreie Basisschulung zeigt die spezifischen Auswirkungen des Klimawandels und die Anpassung der medizinischen Versorgung auf. Vertiefungsschulungen gibt es unter anderem zur Risikoeinschätzung und Vorbereitung bei Extremwetterereignissen.
Ein separater begleitender Leitfaden kann Haus- und Fachärzten dabei helfen, die Toolbox schrittweise in den Praxisalltag zu integrieren.
Die Klima-Toolbox wurde vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert und gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten über zwei Jahre entwickelt. Sie ist das Ergebnis der Studie AdaptNet. Hintergrund sind die in Deutschland zunehmenden Extremwetterereignisse, Hitzewellen, die Luftbelastung und Allergene, die sich immer mehr auf die Gesundheit der Patientinnen und Patienten auswirken.
Ziel der Studie war es, den Zusammenhang zwischen Klimavariablen und Diagnosehäufigkeiten auf regionaler Ebene zu ermitteln, Projektionen für zukünftige Zeiträume unter den Bedingungen des fortschreitenden Klimawandels zu entwickeln und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel für Haus- und Facharztpraxen zu schaffen.
In einer Bedarfsanalyse wurden dafür 67 Ärztinnen und Ärzte sowie 2.643 Patientinnen und Patienten unter anderem nach den erlebten Auswirkungen des Klimawandels auf den Praxisalltag, die Auswirkungen auf die eigene Gesundheit beziehungsweise die der Patienten und bereits durchgeführten Anpassungsmaßnahmen in den Praxen gefragt. Der praxisnahe Werkzeugkoffer wurde anschließend partizipativ mit den Ärztinnen und Ärzten entwickelt, erprobt und evaluiert. Er wurde insgesamt als relevant, niedrigschwellig und gut in den Praxisalltag integrierbar bewertet.
Das Projekt AdaptNet unter der Leitung von Elke Hertig, Inhaberin des Lehrstuhls Regionaler Klimawandel und Gesundheit an der Universität Augsburg arbeitet mit dem QuE-Gesundheitsnetz Qualität und Effizienz aus Nürnberg, den Universitäten Erlangen und Heidelberg sowie der AOK Bayern zusammen. Ziel ist es, praxistaugliche Lösungen für eine klimaresiliente Gesundheitsversorgung zu entwickeln.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit:
1