Krankenbett auf der Straße: Aktionstag für mehr Pflegepersonal

Greifswald – Pflegekräfte aus Krankenhäusern und Altenheimen klagen über Personalmangel und schlechte Arbeitsbedingungen. Am Tag der Pflege fordern sie bundesweit mehr Stellen und mehr Geld.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Nord hatte zum Beispiel in Städten entlang der Ostseeküste zu einem Aktionstag für mehr Personal in Krankenhäusern und in der Altenpflege aufgerufen. Verdi wolle den dramatischen Personalmangel und die extreme Arbeitsbelastung für die Pflegebeschäftigten nicht länger akzeptieren, erklärte der Gewerkschaftssekretär Steffen Kühhirt. „Die Arbeit in der Pflege darf nicht krank machen“, forderte er.
Zu wenig Zeit für die Patienten
Beschäftigte der Universitätsmedizin Greifswald schoben in ihrer Mittagspause ein Krankenhausbett mit einer Patientenpuppe auf die Straße und hefteten Zettel mit ihren Forderungen daran. Wie eine Verdi-Sprecherin sagte, beklagen die Mitarbeiter vor allem, zu wenig Zeit für die Patienten zu haben. Zudem gehe die Arbeit vielfach über ihre körperlichen Kräfte. In Rostock demonstrierten Pflegemitarbeiter in einem kleinen Straßentheater die unterschiedlichen Personalschlüssel in ihrer Branche in Europa. Während in Deutschland eine Pflegekraft auf 10,5 Patienten komme, seien es in den Niederlanden 5, in Norwegen 3,8 Patienten. Weitere Demonstrationen und Kundgebungen gab es in Stralsund, Wolgast und Wismar.
Bundesweit fehlen nach Gewerkschaftsangaben an deutschen Krankenhäusern rund 162.000 Stellen, davon 70.000 in der Pflege. Deshalb fordert Verdi von der Bundesregierung eine Regelung für eine gesetzliche Personalbemessung sowie ein Sofortprogramm für 20.000 Stellen. Vergütung und Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen müssten deutlich verbessert werden, um genügend gut ausgebildete Fachkräfte zu bekommen.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte die zügige Umsetzung der Schulgeldfreiheit in der Altenpflegeausbildung. „Der im Landespflegeausschuss gefasste Beschluss über die Abschaffung des Schulgeldes in der Altenpflegeausbildung bleibt ohne Zeitangabe und dadurch unverbindlich“, sagte der Verbandsvorsitzende Friedrich Wilhelm Bluschke. In neun Bundesländern sei die Altenpflegeausbildung bereits kostenlos. In Mecklenburg-Vorpommern zahlen die Auszubildenden monatlich 150 Euro Schulgeld. Die Schulgeldfreiheit wäre eine Maßnahme gegen den Fachkräftemangel sowie eine Aufwertung des Altenpflegeberufs.
In Bayern fehlen pro Nacht knapp 3.000 Pflegekräfte
Auch Pflegekräfte in Bayerns Kliniken stoßen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi in den Nachtschichten an ihre Belastungsgrenze. Laut Hochrechnungen der Gewerkschaft fehlen in Krankenhäusern Nacht für Nacht etwa 2.850 Pfleger. „Personelle Unterbesetzung und Arbeitsüberlastung im Pflegedienst gefährden nicht nur die Gesundheit der Pflegekräfte, sondern sie stellen auch längst eine Gefährdung der Patienten dar“, betonte der Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Soziales in Bayern, Robert Hinke. Insgesamt würden 21.000 zusätzliche Krankenhausmitarbeiter im Tages- und Nachtdienst benötigt.
Verdi fordert zum Tag der Pflege am 12. Mai bundesweite Mindeststandards, um der Personalnot in den Kliniken zu begegnen. Die bisherigen Pläne der Bundesregierung zu verbindlichen Untergrenzen gingen nicht weit genug. „Gehandelt werden muss sofort“, kritisierte Hinke in einer Mitteilung. Von 2019 an soll das geplante Gesetz die „pflegesensitiven Bereiche“ reglementieren. Bei einer Kundgebung in Augsburg wollen Beschäftigte hetue auf den Notstand aufmerksam machen. Weitere Aktionen kündigte die Gewerkschaft für Juni an.
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