Politik

Krankenhäuser erwarten mehr Geld für Krisenresilienz

  • Freitag, 22. Mai 2026
Krisenresilienz Katastrophenschutz Ausstattung
/picture alliance, photothek.de, Juliane Sonntag

Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) drängt auf mehr finanzielle Mittel, um die Krisenresilienz der Kliniken zu verbessern. Der Präsident der Ärztekammer Berlin (ÄKB), Peter Bobbert, erwartet zudem Engagement der Ärzteschaft zur Vorbereitung auf den Ernstfall.

Der DKG-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß betonte bei einer DKG-Veranstaltung in Berlin, die zusätzlichen Aufgaben, die von den Krankenhäusern erwartet würden, müssten mit den entsprechenden finanziellen Mitteln unterlegt werden. „Das erwarte ich jetzt von der Politik“, sagte er.

Auch müsse die Koordination und speziell die Datenerhebung und -verarbeitung deutlich verbessert werden. Das sehe er als Aufgabe der DKG, nicht der Fachgesellschaften.

Zudem bräuchte es entsprechende Vorgaben, um die Absicherung von Lieferketten zu gewährleisten. So seien die Einkaufsgemeinschaften ausschließlich auf eine möglichst günstige Beschaffung ausgelegt. Es gebe keinerlei Vorgaben für stabile Lieferketten, beispielsweise Quoten für die Beschaffung von Anbietern in Europa.

„Wir müssen in Europa wieder autarker werden – natürlich nicht gänzlich autark, denn eine Rückabwicklung der Globalisierung ist weder möglich noch wünschenswert“, sagte er. „Aber das können wir als Krankenhäuser nicht allein leisten.“

Kammerpräsident Bobbert betonte demgegenüber, dass auch die Ärzteschaft entsprechende Vorbereitungen treffen müsse. „Wir haben genug innerärztliche Aufgaben zu erfüllen“, sagte er. So müssten die möglichen medizinischen Aufgaben, die auf Ärztinnen und Ärzte in einem Bündnis- oder Verteidigungsfall zukommen könnten, auch in der Fort- und Weiterbildung abgebildet werden.

Auch Zuständigkeiten, Abläufe und Aufgabenverteilungen im Krisenfall würden bisher nicht ausreichend geplant. Immerhin gebe es bereits viele Initiativen, die sich mit diesen Themen beschäftigten. „Da sind wir deutlich weiter als vor zehn Jahren“, beschied Bobbert.

Hier gehe vor allem Berlin mit gutem Beispiel voran, erklärte Ellen Haußdörfer, Staatssekretärin für Gesundheit und Pflege des Senats. Das Land beschäftige sich bereits seit längerem mit verschiedenen Krisenszenarien, was sich unter anderem im Rahmenplan „Zivile Verteidigung Krankenhäuser“ niederschlage.

Zwar gebe es in der Hauptstadt keine Senatsreserve mehr wie im Kalten Krieg, doch seit vergangenem Jahr baue der Senat die Berliner Reserve Gesundheitsschutz (BRGS) auf, die Material für Krisen- und Notfälle beinhaltet.

Hinzu kämen Erfahrungen mit Krisensituationen wie dem großflächigen tagelangen Stromausfall im Südwesten der Stadt, von dem mehrere Krankenhäuser betroffen waren. „Berlin ist – leider, muss man sagen – bereits sehr gut vorbereitet“, unterstrich sie.

Politik und Ärzteschaft müssten sich stets bewusst sein, dass die Krankenhäuser in einer Krisensituation Dreh- und Angelpunkt sein würden, mahnte Bobbert weiter. Die derzeitige Ausgestaltung der Krankenhauslandschaft und ihrer Reform trage jedoch keineswegs dem Umstand Rechnung, dass entsprechende Strukturen vorgehalten werden müssen. Die Krankenhäuser würden schon im Normalzustand an der finanziellen Belastungsgrenze arbeiten. Für Krisenvorsorge hätten sie gar keinen Puffer.

„Eine gute Vorhaltepauschale würde die Resilienz stärken, aber so, wie das im Moment ist, schwächt es uns eher“, betonte er. Hinzu kämen die geplanten Einschnitte durch das Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG). „Wir müssen uns klar sein, dass wir durch die Umsetzung dieses Spargesetzes weniger resilient sein werden.“

Hier stimmte ihm Haußdörfer zu. Die verschiedenen Reformen auf Bundesebene würden so ineinandergreifen, dass sie oft Reformen auf Länderebene konterkarieren würden. Es brauche eine bessere finanzielle Absicherung der Krisenvorsorge.

lau

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