Ärzteschaft

Krankenhausreform: Pneumologen und Thoraxchirurgen legen eigenes Konzept vor

  • Mittwoch, 15. Februar 2023
/picture alliance, Fabian Strauch
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Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) sowie die Deutsche Ge­sell­schaft für Thoraxchirurgie (DGT) haben in der Debatte um Reformen für die Kliniken in Deutschland heute ein eigenes Konzept für die Krankenhausversorgung der Zukunft vorgelegt.

„Wir unterstützen die Arbeit der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Kranken­haus­versorgung und empfinden viele Vorschläge als richtig“, sagte Winfried Randerath, DGP-Generalsekretär sowie Sprecher der gemeinsamen Taskforce Qualität und Wirtschaftlichkeit, in der Pneumologen sowie Thoraxchi­rurgen zu­sammen­arbeiten.

Randerath sagte, es sei gut, dass die großen Probleme des Kranken­hauswesens endlich angepackt würden. Das bedeute aber nicht, dass die Fachgesellschaften die Vorschläge der Kommission uneingeschränkt unter­stützten.

Schwachstellen haben sie vor allem bei der zukünftigen Organisation von leistungsfähigen pneumologischen Fachkliniken, der Beschreibung neuer Leistungsgruppen für komplexe Erkrankungen und der Einführung von Vorhaltepauschalen zum Sicherstellen der Krankenhausleistungen identifiziert.

Außerdem machen sie Ergänzungsvorschläge zur Einführung neuer Krankenhauslevel, zum Fallpauschalen­system und der Ambulantisierung, zum Personalmangel und zu einer Anpassung des Medizinischen Dienstes.

„Wenn die Regierungskommission und mit ihr die Bundesregierung aktuell über ein neues Konzept für die Krankenhausversorgung berät, müssen die Belange großer Patientengruppen wie der von Lungenerkrankten besser miteinbezogen werden – und zwar klinikübergreifend“, sagte der DGP-Präsident Torsten Bauer.

Kritik üben DGP und DGT an der Ausgestaltung des vorgeschlagenen Modells der drei Krankenhauslevel, das zwischen Krankenhäusern der lokalen Grundversorgung, regionalen Krankenhäusern der Regel- und Schwer­punkt­versorgung sowie überregionalen Krankenhäusern der Maximalversorgung unterscheidet.

Im vorgeschlagenen Modell komme es zu einem Wettbewerb der Kliniken um Levels und Leistungsgruppen. „Gerade an das Level II der regionalen Versorger werden sehr hohe Bedingungen gestellt, die keine Flexibi­lität bei der individuellen Ausgestaltung erkennen lassen“, so Bauer.

Ein wichtiger Punkt im Reformkonzept der Fachgesellschaften betrifft die Stellung der somatischen Fach­kliniken. Sie lehnen die generelle Empfehlung ab, nach der die Fachkliniken zukünftig baulich und inhaltlich in andere Kliniken der neu zu schaffenden Levels II und III – also regionale oder überregionale Kranken­häu­ser – zu integrieren sind.

Stattdessen sollten die Bundesländer individuell festlegen, ob eine Integration im Einzelfall sinnvoll oder aber nachteilig ist. „Mit ihrer besonderen Expertise tragen Lungenfachkliniken und Fachabteilungen zur tele­medizinischen Versorgung und Kommunikation mit Kliniken aller Levels bei“, betonte Randerath.

Die Gesellschaften stellen zudem dar, welche Voraussetzungen die einzelnen Leistungsgruppen für komp­lexere Erkrankungen auf der Ebene der Länder erfüllen sollten. „Die von der Regierungskommission vor­geschla­genen Leistungsgruppen lassen bisher keine hinreichende Systematik erkennen. Für manche Fach­bereiche wird eine sehr kleinteilige Differenzierung vorgeschlagen, die in anderen Fachgebieten wie der Pneumologie völlig fehlt“, kritisierte Randerath.

Auch beim Personalmangel in den Kliniken sind die Gesellschaften anderer Meinung als die Regierungs­kommission: Dieser sei ein „absoluter Mangel, der nur zum kleineren Teil auf eine zu hohe Zahl von Kranken­häusern zurückzuführen ist“, sagte Bauer. Deshalb seien deutschlandweit mehr Studien- und Ausbildungs­plätze nötig – was aber auch mit einer Aufstockung des Lehrpersonals einhergehen müsse.

hil

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