Ärzteschaft

Krankheitslast durch neurologische Leiden laut Fachgesellschaft stark unterschätzt

  • Mittwoch, 11. Februar 2026
/Naeblys, stock.adobe.com
/Naeblys, stock.adobe.com

Berlin – Die Kodierung von Schlaganfällen und von Demenzen in der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) außerhalb des Neurologiekapitels „G“ führt dazu, dass die Krankheitslast durch neurologische Leiden unterschätzt wird. Es handle sich dabei um eine „historisch gewachsene Fehlzuordnung neurologischer Krankheiten zu anderen Bereichen“, erläuterte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) Peter Berlit. 

Ein Beispiel ist der Schlaganfall: Zerebrovaskuläre Erkrankungen werden als Krankheiten des Kreislaufsystems in den Kapiteln I60-I69 der ICD-10 klassifiziert. „Physiologisch ist das zwar nicht falsch, aber im Hinblick auf die Zuordnung zu den zuständigen medizinischen Disziplinen schon: Schlaganfälle werden auf Spezialstationen in der Neurologie behandelt“, so Berlit. 

Ein ähnliches Beispiel sind laut der DGN die Demenzerkrankungen. Diese werden als F-Diagnosen dem Bereich „Psychische und Verhaltensstörungen“ zugeordnet. „Natürlich behandeln auch unsere psychiatrischen Kolleginnen und Kollegen Demenzerkrankungen – aber in einem ähnlich hohen Ausmaß eben auch Neurologinnen und Neurologen, denn es handelt sich um neurodegenerative Erkrankungen“, sagte Berlit.

Zwar existiert in der ICD-10 die neurologische Diagnose Alzheimer (G30), aber diese werde kaum kodiert: Während in der Datenbank des Statistischen Bundesamts (Destatis) Demenzen (F00-F03) laut der DGN mit Krankheitskosten von 21,5 Milliarden ausgewiesen sind, geht die neurologische Diagnose Alzheimer nur mit Kosten von 1,49 Milliarden einher – also nur mit rund einem Zwanzigstel. „Dabei gehört es zum Lehrbuchwissen, dass die Alzheimer-Krankheit etwa Dreiviertel aller Demenzdiagnosen verursacht“, betonte Berlit.  

Die ICD-10 Diagnosen „Krankheiten des Nervensystems“ (G00-G99) verursachten laut dem Statistischen Bundesamt im Jahr 2023 Kosten von 26,8 Milliarden Euro.

Weitere 21,52 Milliarden Euro verursachten die Diagnosen F00-F03 (Demenzen) und 16,54 Milliarden Euro die Diagnosen I60-I69 (zerebrovaskuläre Erkrankungen, insbesondere Schlaganfälle).  

Die Bedeutung der Neurologie werde durch „die kodierungsziffergelenkten Statistiken“ deutlich unterschätzt, auch von der Politik und den Kostenträgern“, sagte die Präsidentin der DGN, Daniela Berg. „Hier müssen wir korrigierend eingreifen und die korrekte Interpretation der Zahlen anmahnen“, betonte sie. 

hil

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung