Ärzteschaft

Krisenresilienz: Fachgesellschaft für Zulassung von Vollblut für Bluttransfusionen

  • Freitag, 12. Juni 2026
/chanawit, stock.adobe.com
/chanawit, stock.adobe.com

Berlin – Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) fordert die Lagerung und Verwendung von Vollblut für Blutspenden, um im Kriegs- und sonstigen Krisenfall Betroffene besser versorgen zu können.

„Zivile und militärische Erfahrungen zeigen, dass Vollblut in kritischen Versorgungsszenarien eine wirksame, logistisch vorteilhafte und mit einem vertretbaren Risikoprofil umsetzbare Strategie zur Beherrschung massiver Blutungen darstellt“, erläuterte Dania Fischer, Stellvertreterin des ärztlichen Direktors und geschäftsführende Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Heidelberg.

Hintergrund ist, dass Blutspenden in Deutschland in Einzelbestandteile wie Blutkörperchen, -plättchen oder -plasma aufgeteilt werden. Regulatorische Hürden verhindern in Deutschland die Nutzung von Vollblut als zusätzliche Quelle der Blutversorgung in Ergänzung zur etablierten Komponententherapie.

Mit einem Brief appelliert die DIVI daher an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), zeitnah die Voraussetzungen für eine qualitätsgesicherte, wissenschaftlich begleitete Einführung von Vollblut für Krisensituationen in definierten Versorgungsbereichen zu schaffen.

Die aktuelle Sicherheitslage in Europa, hybride Bedrohungen, mögliche militärische Konflikte sowie das zunehmende Risiko von Naturkatastrophen und Großschadensereignissen stellen das deutsche Gesundheitswesen laut der DIVI vor neue Herausforderungen.

„Gerade bei einer hohen Zahl schwer verletzter Menschen und gleichzeitiger Einschränkung der kritischen Infrastruktur kann die etablierte Versorgung mit Blutkomponenten an ihre Grenzen stoßen“, warnt Thorsten Annecke, Leitender Oberarzt und Leiter der Operativen Intensivmedizin der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Krankenhaus Köln-Merheim, Klinikum der Universität Witten/Herdecke.

Er fordert, sich zeitnah mit den Versorgungsanforderungen außergewöhnlicher Schadenslagen zu beschäftigen und die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, „um über alternative und weniger störanfällige Wege der Blutbeschaffung im Ernstfall handlungsfähig zu sein“, so Annecke.

„Es ist unser Ziel, für die Einführung eine belastbare logistische Grundlage zu schaffen und gleichzeitig praktische Erfahrungen für den Ernstfall zu sammeln“, fasst DIVI-Präsident Florian Hoffmann die Forderungen der Fachgesellschaft zusammen. 

hil

Diskutieren Sie mit:

Deutsches Ärzteblatt bei Google bevorzugen

Wenn Sie Deutsches Ärzteblatt als bevorzugte Quelle festlegen, können Inhalte von uns in Ihren Google-Ergebnissen sichtbarer erscheinen.

Jetzt bei Google bevorzugen

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung