Landarztquote: Sachsen-Anhalt stellt Auswahlkriterien für Medizinstudium vor
Magdeburg – Sachsen-Anhalt bietet angehenden Medizinern, die sich zur Arbeit in ländlichen Regionen verpflichten, ab sofort einen Sonderweg ins Medizinstudium. 20 der rund 400 Studienplätze für Medizin an den Unis in Magdeburg und Halle sind jährlich für werdende Landärzte reserviert und werden nach anderen Kriterien vergeben, als bisher für das Medizinstudium üblich.
Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) und der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Burkhard John, stellten heute die Auswahlkriterien für das Medizinstudium per Landarztquote vor.
Interessierte können sich bis zum 31. März über ein Onlineportal bewerben. Dabei spielt neben der Abinote auch die bereits gesammelte Berufserfahrung im medizinischen Bereich eine Rolle. Die Bewerber werden dann zu einem Studienfähigkeitstest eingeladen, der besonders auf die Eignung als Landarzt abzielt.
Am Ende werden die Bewerber nach einem Punktesystem bewertet: 50 Prozent der Punkte werden nach dem Test verteilt und 40 Prozent nach der Berufserfahrung. Nur 10 Prozent macht dann die Abinote aus, die in herkömmlichen Bewerbungsverfahren für ein Medizinstudium mit 70 bis 80 Prozent zu Buche schlägt. Die 20 Bewerber mit den meisten Punkten starten dann im Oktober ins Studium.
Grimm-Benne sagte heute, sie sei überzeugt, dass es unter den vielen Pflegekräften, Notfallsanitätern und Hebammen ein erhebliches Potenzial für diese Plätze gebe „und dass man auch ohne Einser-Abitur ein empathischer, fachlich guter Landarzt werden kann“. Die Quote sei aber sicher „kein Allheilmittel“, sagte die Ministerin. Sie sei ein Versuch, den absehbaren Mangel an Landärzten einzugrenzen.
Mit der starken Gewichtung der Berufserfahrung entspreche das Land auch einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem März 2019. Die Karlsruher Richter hatten geurteilt, dass die hohe Bedeutung der Abinote bei der Vergabe der Medizin-Studienplätze teilweise verfassungswidrig ist.
John sprach von einem wesentlichen Baustein im Kampf gegen den Ärztemangel auf dem Land. Gerade in einem Land mit so alter Bevölkerung wie Sachsen-Anhalt seien Hausärzte wichtig für die ambulante Versorgung.
Auch die Ärztekammer in Sachsen-Anhalt warnte vor dem Medizinermangel. Die Ausbildung von Nachwuchs reiche nicht, sagte Kammerpräsidentin Simone Heinemann-Meerz. Die zukünftigen Mediziner müssten auch an das Land gebunden werden.
Die Landarztquote wird derzeit in vielen Bundesländern diskutiert. Gestern brachte der saarländische Landtag ein entsprechendes Gesetz auf den Weg, in Rheinland-Pfalz und Bayern startet das Projekt wie in Sachsen-Anhalt im kommenden Wintersemester. Als erstes Land hatte Nordrhein-Westfalen die Quote eingeführt, dort starteten die ersten Landarzt-Studenten schon im laufenden Wintersemester.
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