Leitlinie für hausärztliche Praxen zum Umgang mit Suizidwünschen erschienen

Berlin/Düsseldorf – Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat eine Leitlinie zum Umgang mit dem Wunsch nach Suizidassistenz in der hausärztlichen Praxis vorgestellt.
„Wie gehen wir Ärztinnen und Ärzte damit um, wenn ein Patient um Hilfe beim Suizid bittet?“, fragte DEGAM-Präsident Martin Scherer. Hilfe bei der Selbsttötung entspreche in der Regel nicht dem ärztlichen Selbstverständnis. Umso wichtiger sei es, sich auf dieses Szenario vorzubereiten.
Die Fachgesellschaft hat daher eine Leitlinie entwickelt, um Hausärzten evidenzbasierte Empfehlungen zur Verfügung zu stellen. Sie ist der DEGAM zufolge bislang weltweit die einzige, die sich mit der Suizidassistenz im hausärztlichen Setting befasst.
Das Thema Suizidassistenz wird kontrovers diskutiert. 2020 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass Menschen beim Suizid auch die Hilfe Dritter in Anspruch nehmen dürfen. Das bisherige Verbot der gewerblichen Suizidassistenz wurde als verfassungswidrig erklärt. Eine neue gesetzliche Regelung gibt es bisher aber nicht.
„Die Leitlinie ist keine Anleitung zur Suizidassistenz, sondern gibt Empfehlungen, wie der Dialog mit einem Menschen mit Sterbewunsch gelingen kann“, erläuterte Ilja Karl, niedergelassener Hausarzt und federführend an der Leitlinie beteiligt.
Die wichtigste Botschaft der Leitlinie sei, das Gespräch mit dem Patienten nicht abreißen zu lassen. „Auch wenn ein Arzt oder eine Ärztin die Assistenz nicht durchführen möchte, müssen wir alles tun, um im Gespräch zu bleiben.“ Im Übrigen kann auch schon ein offenes und vertrauensvolles Gespräch immer wieder suizidpräventiv wirken“, so Karl.
Die S1-Leitlinie informiert über die rechtlichen Rahmenbedingungen, klärt Begrifflichkeiten, gibt Empfehlungen zur Kommunikation mit Patienten und fasst Optionen zur Medikation unter Berücksichtigung des Betäubungsmittelgesetzes zusammen.
„Dabei vertreten wir kein Pro oder Contra. Wie immer, bildet auch diese DEGAM-Leitlinie teilweise kontroverse Perspektiven ab, aus denen ein Kompromiss entwickelt wird“, sagte Scherer.
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