Lieferengpässe: Selbsthilfeverbände für Öffnung von Rabattverträgen

Düsseldorf – In der Diskussion um Lieferengpässe von Arzneimitteln fordert die „Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung, chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen“ (BAG Selbsthilfe) gesetzliche Änderungen an bestehenden Rabattverträgen.
„Die aktuellen Lieferengpässe machen die Notwendigkeit einer Nachbesserung der gesetzlichen Regelung ganz deutlich“, erklärte der Bundesgeschäftsführer des Verbandes, Martin Danner.
Aus Sicht der BAG Selbsthilfe könne eine nachhaltige Versorgung mit lebensnotwendigen Medikamenten nur gesichert werden, wenn der Gesetzgeber die Möglichkeit festschreibe, dass ein dritter Medikamentenhersteller zu bestehenden Rabattverträgen zwischen einem anderen Hersteller und einer Krankenkasse hinzugezogen werden dürfe.
Danner wies daraufhin, dass eine solche Regelung im Hilfsmittelbereich bereits bestehe und Versorgungsprobleme abfedere. Die Rabattverträge sicherten den Krankenkassen finanzielle Vorteile, eine Garantie für die Verfügbarkeit sei damit aber nicht vertraglich geregelt. „Das Nachsehen haben die Patienten“, kritisierte die BAG Selbsthilfe.
Auch die Arzneimittelhersteller und ihre Verbände haben sich in der Vergangenheit immer wieder gegen Rabattverträge zwischen Krankenkassen und einzelnen Anbietern ausgesprochen.
Die Krankenkassen dementieren allerdings zuletzt mit Verweis auf die Ergebnisse eines vom GKV-Spitzenverband in Auftrag gegebenes Gutachtens des Instituts der Gesundheit Österreich, das am 10. Februar in Berlin vorgestellt wurde.
Demnach nehmen Lieferengpässe bei Arzneimitteln weltweit zu. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um staatliche oder, wie in Deutschland, um Sozialversicherungssysteme handelt. Außerdem lässt sich dem Gutachten zufolge kein Zusammenhang zwischen Lieferengpässen und Rabattverträgen erkennen.
Hauptgrund für Lieferengpässe sind danach Probleme mit der Produktion und Qualitätsmängel. Weil die Produktion von Wirkstoffen häufig an wenigen Standorten in Billiglohnländern angesiedelt sei, wirkten sich Produktionsausfälle oder Qualitätsprobleme dort weltweit aus, heißt es in dem Gutachten.
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