Medizinethikerin Buyx: Gesundheitsversorgung in Richtung Prävention umsteuern

Berlin – Mit Blick auf die zunehmenden Herausforderungen beim Thema Generationengerechtigkeit seien alternative Denkmuster bei der Sicherung des Sozialstaates gefragt, betonte gestern Alena Buyx, Professorin für Medizinethik an der TU München.
Im Rahmen der Veranstaltung „Generationendialog 2026“ sagte sie, die notwendigen Ansätze könnten „relativ radikal“ erscheinen – so müsse man beispielsweise beim Leistungskatalog des Gesundheitswesens „komplett umsteuern“.
Unter anderem müssten „dramatisch mehr als die drei Prozent“, die man derzeit für Prävention ausgebe, in entsprechende Ansätze investiert werden, so die ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates. Man müsse in Zukunft präventive und kurative Mechanismen in einen viel besseren Ausgleich bringen.
„Wir müssen am Anfang präventiv frühzeitig investieren und eingreifen, um so zu verhindern, dass sich im Laufe des Lebens die Effekte kumulieren“, sagte Buyx. Am Ende dieser Ereigniskette bliebe nur „Reparaturmedizin“.
Nötig sei ein Wechsel hin zu einer sehr viel stärker vorsorgeorientierten Medizin. In der Folge müsse dann unter anderem auch deutlich mehr Eigenverantwortlichkeit eingefordert werden, betonte sie. Ein die gesamte Lebenspanne betrachtendes Gesundheitswesen bedeute grundsätzlich, das die Menschen „möglichst spät“ in die Versorgungs- und Pflegestrukturen hineingehen würden.
Auch am Ende der individuellen Lebensspanne sollten weitere Zielsetzungen im Vergleich zum Status Quo in den Blick genommen und als durchaus medizinisch relevant anerkannt werden. Dies betreffe insbesondere Aspekte wie soziale Bindungen und Mobilität im Alter.
Man dürfe außerdem nicht zulassen, dass zugunsten von dominanteren Generationen Innovationseffekte liegengelassen würden. Das betreffe „gerade das Gesundheitswesen“, in dem massive Effizienzgewinne durch die Digitalisierung zu erzielen seien.
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