Menschen haben sehr genaues Gedächtnis für Alltagsgeräusche

Regensburg – Das menschliche Gedächtnis speichert Alltagsgeräusche offenbar sehr genau, auch wenn diese nicht im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stehen. Das berichten Wissenschaftler um Fabian Hutmacher und Christof Kuhbandner vom Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie an der Universität Regensburg im Journal of Experimental Psychology (DOI: 10.1037/xge0000650).
„Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir an Erinnerungen herankommen können, die in den bisherigen Studien nicht nachweisbar waren“, erklärte Hutmacher. Gelöst haben die Forscher das Problem, indem sie einen sogenannten sensitiveren Erkennungstest eingesetzt haben.
Das Experiment war wie folgt aufgebaut: 51 Teilnehmer wurden gebeten, an einem Versuch teilzunehmen, bei dem die Forscher angeblich herausfinden wollten, wie gut Menschen sich trotz Ablenkungen auf eine Aufgabe konzentrieren können.
Die Probanden saßen dazu vor einem Bildschirm, auf dem ihnen 660 kurze deutsche Wörter für jeweils 250 Millisekunden präsentiert wurden. Kam ein Wort zweimal hintereinander vor, sollten die Versuchspersonen eine Taste drücken.
Währenddessen trugen sie Kopfhörer, über die Alltagsgeräusche abgespielt wurden. Zum Beispiel wurde ein Glas mit Wasser gefüllt, ein Kühlschrank brummte, eine Waschmaschine lief. Die Teilnehmer wurden angewiesen, sich voll und ganz auf die Wörter zu konzentrieren und die Geräusche so gut es geht auszublenden. Dass es in irgendeiner Form um einen Gedächtnistest gehen könnte, wurde nicht erwähnt.
Direkt im Anschluss an diesen angeblichen Konzentrationstest rückte das eigentliche Ziel des Experiments in den Fokus: Die Versuchsleiter spielten zwei Geräusche aus derselben Kategorie vor, beispielsweise das Brummen zweier Kühlschränke. Die jeweilige Versuchsperson sollte dann entscheiden, welche der beiden Audiodateien sie gerade schon einmal gehört hatte. Für die Hälfte der Geräusche wurde dieser Test erst 24 Stunden später durchgeführt.
Die Trefferquote lag bei 56.86 % beim sofort durchgeführten Test, einen Tag später lag die Quote bei 55.83 %. Das bedeutet, dass die Studienteilnehmer das bereits zuvor gehörte Geräusch überzufällig häufig korrekt identifizieren konnten. „Die Quote mag auf den ersten Blick eher gering erscheinen, ist aber doch erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Versuchsleiter alles unternommen haben, um das Erinnern zu erschweren“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.
Das Ergebnis zeigt laut den Forschern, dass Menschen nicht nur Sinneseindrücke speichern, die im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Zudem seien die Erinnerungen sehr detailliert – die für das Experiment verwendeten Geräusche unterschieden sich eben nur in Details. „Doch offensichtlich werden nicht alle Eindrücke im Langzeitgedächtnis gespeichert“, so Hutmacher. In weiteren Forschungsprojekten möchte die Arbeitsgruppe Mechanismen klären, die darüber entscheiden, welche Wahrnehmungen gespeichert werden und welche nicht.
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