Neue Arbeitshilfe für Praxen zur Betreuung nicht tumorbedingter Schmerzen aufgelegt

Berlin/Göttingen – Der AOK-Bundesverband und das Göttinger Aqua-Institut haben einen neuen Praxisleitfaden aus der Reihe „Qualitätsindikatorensystem für die ambulante Versorgung“ (QISA) vorgestellt.
„Mit dem neuen Band wollen wir Arztnetze und Praxen bei der Umsetzung einer leitliniengerechten Therapie für die betroffenen Menschen unterstützen“, sagte Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes.
Der neue QISA-Band mache deutlich, dass es zur optimalen Behandlung nicht tumorbedingter chronischer Schmerzen eine strukturierte Langzeitbetreuung durch die Hausarztpraxis brauche. Ein wichtiges Ziel sei dabei die Verbesserung der schmerzbedingten Einschränkungen.
Der neue Themenband umfasst 13 Qualitätsindikatoren, die überwiegend auf die Verbesserung der Prozessqualität der Behandlung abzielen, aber auch Aspekte der Ergebnis- und Strukturqualität beleuchten. Die Qualitätsindikatoren sollen die Praxen beim strukturierten Management von chronischen Schmerzen unterstützen.
Sie erfassen unter anderem, ob die Praxis über Arbeitsanweisungen für das Team verfügt, psychosoziale Risikofaktoren erhebt und bereits erfolgte Behandlungsversuche dokumentiert. Auch der Einsatz von validierten Instrumenten zur Beurteilung des Schmerzes, die Vereinbarung von Therapiezielen und das Monitoring des Schmerzmitteleinsatzes gehören zu den empfohlenen Maßnahmen.
Ein weiterer Punkt ist die Information der Patienten über mögliche unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen der verschriebenen Analgetika.
„Die dargestellten Indikatoren sind das Ergebnis einer Recherche in deutschsprachigen Leitlinien und Richtlinien sowie in nationalen und internationalen Indikatorendatenbanken“, erläuterte Cornelia Straßner, von der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Heidelberg und Mitautorin des QISA-Bandes.
Im Anschluss habe ein mehrstufiger Bewertungs- und Reviewprozess stattgefunden, in dem die Indikatoren vor allem aufgrund ihrer Relevanz und ihrer Umsetzbarkeit im primärärztlichen Sektor ausgewählt worden seien.
Die Entwicklung der Qualitätsindikatoren war ein Teil des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Projekts RELIEF, das von 2022 bis 2027 am Universitätsklinikum Heidelberg in Zusammenarbeit mit verschiedenen Projektpartnern lief. Ziel war, ein hausärztliches Versorgungsprogramm zu entwickeln und zu evaluieren, das auf Personen mit chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzen und häufigem Schmerzmittel-Gebrauch fokussiert.
Mit dem neuen QISA-Band zur Schmerztherapie liegen 16 Themenbände mit über 200 Qualitätsindikatoren vor, die zum kostenlosen Download angeboten werden.
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