Vermischtes

Neue Leitlinie zur Volkskrankheit Harnsteine

  • Dienstag, 16. Juni 2015

Berlin – Eine neue Leitlinie der Qualitätsstufe S2k zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Urolithiasis hat die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) vorgestellt. Harnsteine gehören zu den häufigsten Erkrankungen, in Deutschland hat sich die Inzidenz seit Mitte der 1980er-Jahre verdreifacht. „Wir gehen heute davon aus, dass etwa jeder Zehnte einmal im Leben einen Harnstein entwickelt, von denen dann grob jeder Vierte später erneut Steine bekommt“, sagte Thomas Knoll, Chefarzt der Sindelfinger Klinik für Urologie und zugleich der Vorsitzende des Arbeitskreises Harnsteine der Akademie der Deutschen Urologen.

Die Leitlinienautoren führen dies auf veränderte Lebensumstände und Ernährungs­gewohnheiten zurück. Übergewicht, Bewegungsmangel, Diabetes sowie fortgeschrittenes Lebensalter und männliches Geschlecht sind laut Knoll bekannte Risikofaktoren. Aber auch eine verbesserte medizinische Diagnostik habe dazu geführt, dass Harnsteine häufiger als früher nachgewiesen würden.

Die neue Harnstein-Leitlinie soll die Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit Urolithiasis in Klinik und Praxis unterstützen, aber auch Patienten über Nieren- und Harnleitersteine informieren. Blasensteine sind in der Leitlinie wegen einer unter­schiedlichen Pathogenese nicht berücksichtigt.

Die Leitlinie greift aktuelle Entwicklungen in der bildgebenden Diagnostik und in der Intervention auf. So hinterfragen die Autoren die Notwendigkeit diagnostischer Röntgenuntersuchungen wie etwa der Ausscheidungsurografie aufgrund ihrer Strahlenbelastung. Sie setzen stattdessen verstärkt auf Ultraschall und Computer­tomografie. Gleiches gilt für operative Eingriffe, bei denen laut der Leitlinie in immer mehr Fällen endoskopische Verfahren erste Wahl sind.

Ein wichtiger und häufig vernachlässigter Bereich ist laut der Leitlinie die Nachsorge eines Steinleidens. „Wenn der Schmerz erst einmal weg ist, vergessen viele die Harnsteine bald wieder. Ohne Metaphylaxe liegt das Rezidivrisiko, abhängig von der Art der Steine, jedoch über 50 Prozent“, so Knoll. Eine risikoadaptierte Nachsorge könne dies deutlich senken.

„S2k-Leitlinien“ sind sogenannte Konsens basierte Leitlinien. Sie enthalten keine Angabe von Evidenz- und Empfehlungsgraden, weil ihnen keine systematische Aufbereitung der Evidenz zugrunde liegt.

hil

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