Neue Medizin-Uni Lausitz: Region soll profitieren

Cottbus – Die Medizinische Universität Lausitz (MUL) legt im Oktober mit den ersten 36 Studentinnen und Studenten richtig los – doch die Gesundheitsversorgung in der Region profitiert bereits jetzt.
„Wir haben schon eine sehr große Anzahl von jungen Menschen, die bei uns lernen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der MUL – Carl Thiem, Eckhard Nagel. Fast 1.000 junge Menschen erlernten in einer Akademie Berufe in der Krankenpflege oder als Assistenten. Dazu kämen Assistenzärzte in Fortbildung, die sich auch in Praxen niederließen. 60 Arztpraxen haben laut Uni bisher großes Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert.
Am 11. Oktober wird im Staatstheater Cottbus die Immatrikulation der ersten Studierenden gefeiert – dazu werden auch Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wissenschaftsministerin Manja Schüle (beide SPD) erwartet. Von den 36 Studentinnen und Studenten stammen zehn nach Angaben der Medizin-Uni aus Brandenburg, weitere aus Berlin, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen und Bayern. Eine Studentin – die die Auslandsquote erfüllt – stammt aus Russland.
Die Medizinische Universität verspricht schon jetzt, dass der Ärztemangel auf dem Land mit den Studierenden gelindert werden soll. „Sie sind natürlich ein Versprechen an die Region Lausitz, ein Versprechen, dass gute medizinische Versorgung nicht an Postleitzahlen hängen darf, sondern dass wir diese durch unsere moderne Ausbildung für diese ländliche Gegend auf Zukunft und Dauer garantieren wollen“, sagte die Gründungsvorständin für Wissenschaft, Adelheid Kuhlmey.
Die Uni, die ein „Leuchtturm“ des Strukturwandels beim Ausstieg aus der Braunkohle sein soll, gilt als bundesweites Modell. Sie ist die 40. staatliche Unimedizin in Deutschland und entstand in großer Geschwindigkeit. Im Juli 2024 wurde sie gegründet.
Forschungsschwerpunkte sind die Digitalisierung des Gesundheitswesens und Gesundheitssystemforschung. Bis 2038 fließen vom Bund und vom Land insgesamt 3,7 Milliarden Euro Fördermittel. Im Jahr 2038 läuft die Förderung des Bundes aus.
Die neuen Medizinstudentinnen und -studenten sind nach sechs Jahren – inklusive praktischem Jahr – voll approbierte Ärzte. Dann beginnt die fachärztliche Ausbildung. Die Uni will wachsen: Bis 2040 sollen es 1.200 Studienplätze sein, das Ziel sind 200 Studierende pro Jahrgang. Die ehemalige Notaufnahme wurde zum Seminarzentrum umgebaut, ein Labor wurde umgebaut. Eine Bibliothek und weitere Gebäude sind noch im Bau.
Der Teil der Uni für die Krankenversorgung ist aus dem Carl-Thiem-Klinikum Cottbus hervorgegangen. Die Medizin-Uni kooperiert mit der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, aber auch mit der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB), die überwiegend nicht-staatlich finanziert ist.
Die Studierenden sollen in der Region gehalten werden. Der Landtag beschloss Mitte September die Einführung einer Landarztquote, mit der voraussichtlich zehn Prozent der Erstsemesterstudienplätze an der Medizin-Uni für angehende Landärzte reserviert werden – sie müssen sich verpflichten, später im Land tätig zu werden. Der Mangel an Ärzten, vor allem an Hausärzten, wird immer größer. Rund ein Drittel der etwa 1.700 Hausärztinnen und Hausärzte in Brandenburg ist 60 Jahre und älter.
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