Neues Verbundprojekt zur Phagentherapie bakterieller Infektionen

Halle-Wittenberg – Den Hindernisse und den Möglichkeiten einer Therapie mit Bakteriophagen gegen bakterielle Infektionen widmet sich das neue Verbundprojekt „MEDphage“ der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Kooperationspartner sind die Universität Leipzig sowie das Bundeswehrkrankenhaus Berlin. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Vorhaben über drei Jahre mit rund 970.000 Euro.
Im Fokus stehen technische, rechtlichen, ökonomischen und ethischen Unklarheiten, welche die Phagentherapie im Augenblick in Deutschland einschränken. „Dass Phagen bisher nicht breiter genutzt werden, ist meiner Meinung nach nicht nur ein technisches, medizinisches Problem, sondern ein strukturelles“, erläutert der Projektleiter Timo Faltus.
Anders als bei Antibiotika muss die Behandlung mit Phagen in den meisten Fällen auf die jeweilige Patientin oder den jeweiligen Patienten abgestimmt und die Phagen müssen individuell hergestellt werden. Das könnte theoretisch in Krankenhausapotheken passieren. „Allerdings ist unser Gesundheitssystem bisher vor allem auf Fertigarzneimittel ausgelegt, die unabhängig vom konkreten Patienten produziert werden.
Individualisierte und in der Apotheke hergestellte Arzneimittel durchlaufen im Unterschied zu Fertigarzneimitteln keine Zulassungsverfahren, sie sind teurer und gehören automatisch nicht zum Leistungskatalog der Krankenkassen. Die allgemeine Patientenversorgung mit individualisierten Phagenarzneimitteln setzt daher neue technische, ethische, rechtliche und gesundheitsökonomische Ansätze voraus“, sagt Faltus weiter.
Hier setzt das Projekt „MEDphage“ an. Das Projekt wertet den aktuellen Forschungs- und Rechtsstand aus und gleicht ihn mit der medizinischen Praxis ab. Auf dieser Grundlage sollen am Ende konkrete und praxistaugliche Empfehlungen für Politik, Wissenschaft und Versorgung stehen.
Eine Phagentherapie gegen wiederkehrende Harnwegsinfektionen erprobt auch ein internationales Konsortium in dem neuen Projekt „REPhRAME“ unter Leitung der Universitätsmedizin Frankfurt. Die Europäische Union fördert das Vorhaben mit 15 Millionen Euro über fünf Jahre.
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