Politik

Niedersächsische Krankenhausgesellschaft ruft nach Entlastung

  • Dienstag, 6. Januar 2026
/lucas, stock.adobe.com
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Hannover – Die Krankenhäuser in Niedersachsen stehen weiterhin unter enormem finanziellen Druck. Das geht aus einer heute veröffentlichten Umfrage der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) hervor.

Drei von vier Krankenhäusern (75,2 Prozent) rechnen demnach mit einem negativen oder zumindest nicht positiven Jahresabschluss 2025. Rund drei Viertel (74 Prozent) der Kliniken sehen sich nicht imstande, steigende Personal- und Sachkosten aus den regulären Erlösen der Patientenbehandlung zu finanzieren.

Zudem erwartet gut jedes dritte Krankenhaus (34 Prozent) laut Umfrage im Jahr 2026 eine noch schlechtere wirtschaftliche Entwicklung, während mehr als jedes zweite Krankenhaus (56 Prozent) von einer gleichbleibenden Situation ausgeht. Nur jede zehnte Klinik (zehn Prozent) erwartet im laufenden Jahr eine bessere wirtschaftliche Entwicklung.

„Es besteht kein Grund zur Entwarnung. Die wirtschaftliche Schieflage besteht für die überwiegende Mehrheit der Krankenhäuser in unverminderter Schärfe fort“, warnte Rainer Rempe, Vorstandsvorsitzender der NKG. Seit Jahren gelinge es dem Großteil der Kliniken nicht mehr, ein positives Ergebnis zu erzielen. Zudem sei das Problem der „strukturell unzureichenden Finanzierung der Kliniken“ nach wie vor ungelöst.

Die NKG-Befragung weist auch darauf hin, dass die Bürokratielast eine erhebliche Belastung für die Krankenhäuser und ihre Mitarbeitenden darstellt. Nahezu alle befragten Kliniken berichten von deutlich zunehmenden Dokumentations- und Nachweispflichten, die personelle Ressourcen binden und sich negativ auf die Versorgung auswirken.

98 Prozent der befragten Krankenhäuser bewerten den Bürokratieaufwand aktuell als hoch oder sehr hoch. Nahezu die Hälfte der befragten Kliniken (47 Prozent) gibt an, dass der bestehende Bürokratieaufwand häufig zulasten der Patientenversorgung geht.

„Der ökonomische und regulatorische Druck auf die Krankenhäuser nimmt entgegen allen politischen Versprechen weiter zu. In der Folge sind die Stabilität und Qualität der stationären Versorgung in Niedersachsen zunehmend gefährdet“, kritisierte NKG-Verbandsdirektor Helge Engelke. Neben einer auskömmlichen Finanzierung müssten die Kliniken in die Lage versetzt werden, mit knappen Ressourcen effizient umzugehen.

Der Umfrage zufolge stellt zunehmende Gewalt gegen Mitarbeitende in den Krankenhäusern ein schwerwiegendes Problem dar. Der Erhebung zufolge ist in Niedersachsen ein Anstieg der Gewalt gegen Klinikpersonal zu verzeichnen.

72 Prozent der von der NKG befragten Krankenhäuser berichten von einem „deutlichen“ (26 Prozent) oder „mäßigen“ (46 Prozent) Anstieg der verbalen oder körperlichen Übergriffe gegen ihre Beschäftigten in den vergangenen fünf Jahren. Bezeichnend ist, dass kein einziges Krankenhaus einen Rückgang gewalttätiger Übergriffe verzeichnet.

Von der Politik fordern die Krankenhäuser unterstützende Maßnahmen, die von der Finanzierung von Trainings- und Schulungsangeboten über Sicherheits- und Überwachungstechnik bis hin zu härteren rechtlichen Konsequenzen für Gewalttäter reichen.

„Gewalt gegen Krankenhauspersonal darf nicht toleriert werden. Betroffene und Kliniken dürfen mit dem Problem zunehmender Übergriffe nicht allein gelassen werden. Die Umfrageergebnisse zeigen, wie wichtig die von Niedersachsen angestoßene Bundesratsinitiative zum Schutz des medizinischen und pflegerischen Personals ist. Nun ist der Bund gefordert, zeitnah einen Gesetzentwurf vorzulegen“, erklärte Engelke.

EB/aha

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