Operationen: S3-Leitlinie zum Umgang mit gebrechlichen Patienten vorgestellt

Berlin/Nürnberg – Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) hat zusammen mit 24 weiteren Fachgesellschaften und Organisationen eine S3-Leitlinie „Perioperative Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Frailty“ vorgestellt. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat die Arbeit unterstützt.
Methodische Grundlage bei der Leitlinienentwicklung war das Regelwerk der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – dort ist die Leitlinie auch zur Veröffentlichung angemeldet. Sie kann aber bereits im Ergebnisbericht des Innovationsausschuss-Projektes eingesehen werden.
Wenn ein Mensch altert, kann es zu Einschränkungen wie Muskelschwäche, Erschöpfung und Gangunsicherheiten kommen. Treten mehrere solcher Faktoren auf, wird das auch als Frailty-Syndrom bezeichnet.
„Bekannt ist, dass die Risiken bei dieser Patientengruppe während und nach einer Operation erhöht sind – dennoch gab es bislang im deutschsprachigen Raum keine spezifischen Empfehlungen, wie Gebrechlichkeit im zeitlichen Zusammenhang mit einer Operation zu berücksichtigen ist“, erklärte die Leitliniengruppe um die Koordinatoren Vera von Dossow vom Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, und Stefan Schaller von der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie der Medizinischen Universität Wien.
Die neue Leitlinie soll Ärztinnen und Ärzte im stationären und ambulanten Bereich während und nach einer Operation unterstützen. Außerdem soll sie dabei helfen, vor einer Operation Komplikationsrisiken zu identifizieren und vorbeugende Maßnahmen einzuleiten.
„Wir empfehlen, alle perioperativen Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren zur Risikoeinschätzung und -minimierung auf das Vorliegen einer Frailty zu screenen“, heißt es in der Leitlinie. Methodisch eigne sich dafür die Clinical Frailty Scale (CFS).
Das Leitlinienteam empfiehlt außerdem, Personen mit Frailty, bei denen eine abdominal-, kardio- oder thoraxchirurgische Operation oder eine Totalendoprothese des Hüftgelenks geplant ist, eine multimodale Prähabilitation anzubieten.
Das Projektteam hat auf Basis der Leitlinie auch Patienteninformationen erarbeitet, die Betroffenen laienverständlich medizinisch fundiertes Wissen bieten.
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