Politik

Palliativmedizin kann Leiden praktisch immer lindern

  • Donnerstag, 6. November 2014
Uploaded: 06.11.2014 17:15:24 by mis
dpa

Berlin – Die Palliativmedizin kann praktisch allen schwerkranken Patienten beistehen und ihre belastende Krankheitssymptome wie Schmerzen, Luftnot, Übelkeit oder Angst wie auch psychosoziale Belastungen lindern. „Es gibt keine Situation, in der die Palliativ­medizin nichts mehr anzubieten hat“, betonte Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), bei einem parlamentarischen Abend zum Thema Sterbehilfe, zu dem die wissenschaftliche Fachgesellschaft gemeinsam mit dem Deutschen Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) eingeladen hatte.

In der gegenwärtigen Diskussion um das Thema Sterbehilfe fordern verschiedene Akteure, dass es Ärzten unter bestimmten geregelten Bedingungen erlaubt sein sollte, schwerkranken Patienten beim Suizid zu helfen. Die Erfahrungen aus der klinischen Praxis zeigen aber laut der Fachgesellschaft, dass eine adäquate ambulante und stationäre Hospiz- und Palliativversorgung Möglichkeiten bietet, mit denen der Wunsch nach Beihilfe zum Suizid in den allermeisten Fällen ausgeräumt werden könne.

„Den sehr wenigen Patienten, bei denen keine ausreichende Symptomlinderung erreicht werden kann, bleibt die palliative Sedierung als Option, um unerträgliches Leid zu lindern“ so der Arzt und Wissenschaftler Radbruch. Sie könne als Ultima Ratio das Bewusstsein reduzieren oder ausschalten, um so die Belastung durch unerträgliches und durch keine anderen Mittel beherrschbares Leiden zu lindern. Das Ziel der palliativen Sedierung liege „eindeutig in der Symptomlinderung, nicht in einer Beschleunigung des Todeseintrittes“, unterstreicht die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin in einer aktuellen Veröffentlichung.

Eine qualifizierte palliativmedizinische Aus- und Weiterbildung sowie der kontinuierliche Austausch der in der Palliativversorgung Tätigen sei essentiell und habe in den vergangenen 20 Jahren vieles vorangebracht, hob Heiner Melching als Geschäftsführer der Fachgesellschaft auf der Veranstaltung hervor. Den großen Ängsten der Menschen, irgendwann einer lebensbedrohliche Erkrankung hilflos ausgeliefert zu sein, könne man eine breite Palette ambulanter und stationärer palliativmedizinischer Möglichkeiten entgegensetzen.

Bis Ende 2013 haben über 8.000 Ärzte bundesweit die Zusatzbezeichnung „Palliativmedizin“ erworben. Sie gehört mittlerweile verpflichtend als eigenständiges Querschnittsfach zur universitären Ausbildung von Medizinstudierenden. Mehr als 20.000 Pflegende haben außerdem laut der Fachgesellschaft die Palliative-Care‐Weiterbildung nach den anerkannten Kriterien der DGP und des DHPV durchlaufen. Für weitere Berufsgruppen existierten eigene Curricula.

hil

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