Patienten beklagen Zeitmangel in den Arztpraxen

Düsseldorf/Berlin – Die Zufriedenheit der Deutschen mit dem Gesundheitswesen nimmt ab: 55 Prozent der Bürger zählen es zu den drei besten Systemen der Welt, vor einem Jahr lag der Wert bei 59 Prozent, vor zwei Jahren bei 64 Prozent. Das sind zentrale Ergebnisse des „Healthcare-Barometers 2019“, einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bundesbürgern, die zum fünften Mal durchgeführt wurde.
„Deutschland hat noch immer eine medizinische Versorgung auf sehr hohem Niveau“, sagte Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC.
Vier von zehn Deutschen bemängeln laut der Umfrage, dass niedergelassene Ärzte zu wenig Zeit für sie haben. Ein weiterer Grund für Unzufriedenheit sind die Öffnungszeiten der Praxen, die den eigenen Bedürfnissen nicht entsprächen. Der Wunsch nach Flexibilität hat zugenommen – 24 Prozent äußern diese Kritik, während es 2017 nur 20 Prozent waren. das Gefühl, sich vom Arzt und seinen Angestellten nicht ernst genommen zu fühlen, äußern 22 Prozent der Befragten. Rundum zufrieden mit der ärztlichen Behandlung sind 33 Prozent der Bürger. „Die Erwartungen an Zuwendung und Service sind deutlich gestiegen. Dem steht die Zeitknappheit entgegen, die sich zu einem zentralen Problem in unserem Gesundheitssystem entwickelt hat“, kommentierte Burkhart. Sie wirke sich inzwischen negativ auf das Verhältnis zwischen Arzt und Patient aus.
Weitgehend zufrieden sind Versicherte in Deutschland laut der Umfrage mit der stationären Versorgung in Krankenhäusern, die mehr als jeder zweite Bundesbürger als gut oder sehr gut einschätzt. Allerdings schauen Frauen etwas kritischer auf die deutsche Kliniklandschaft: Während 56 Prozent der Männer sich als zufrieden bezeichnen, sind es unter den Frauen 47 Prozent.
Laut PwC liegt Deutschland im internationalen Vergleich in puncto technologische Entwicklung „weit zurück“. „In anderen Ländern ist die elektronische Patientenakte, die zeitlich flexible Wertemessung per App oder die ortsunabhängige Behandlung per Videochat längst Wirklichkeit, in Deutschland kommen digitale Technologien erst langsam beim Patienten an. Ich führe die sinkende Zufriedenheit auch darauf zurück, dass wir beim Zukunftsthema E-Health kaum vorankommen“, sagte Burkhart.
PwC hat im Healthcare-Barometer 2019 auch nach dem Ansehen der Pharmaindustrie gefragt. Danach betrachten 69 Prozent sie eher als Unternehmen, die auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, denn als innovative Unternehmen, die mit ihren Produkten Menschen heilen. Letzere Auffassung vertreten nur 20 Prozent der Befragten. Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC sieht darin aber einen deutlichen Fortschritt: Der Branche ist es kontinuierlich gelungen, ihr Image zu verbessern und Vertrauen aufzubauen: 2014 äußerten noch 76 Prozent den Vorwurf der Gewinnorientierung, lediglich 15 Prozent sahen die Unternehmen als Innovatoren“, berichtet es.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bestätigte auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes, dass die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen in den Praxen enorm und Zeitmangel daher ein Problem sei. Die niedergelassenen Ärzte arbeiteten daher durchschnittlich rund 52 Stunden in der Woche, allerdings koste die Bürokratie viel Zeit, die nicht für die Patientenversorgung zur Verfügung stehe.
Die KBV verweist auf eine Umfrage vom Herbst 2018. Die Forschungsgruppe Wahlen hatte im Auftrag der KBV 6.043 Erwachsene ab 18 Jahren befragt. Daran gaben 91 Prozent der Befragten an, ein gutes oder sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt zu haben.
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