Patientenleitlinie zum Long- und Post-COVID-Syndrom aktualisiert

Berlin – Fünf bis zehn Prozent aller Coronainfizierten in Deutschland leiden unter anhaltendem Husten, Atemnot und sind oft erschöpft. Häufig treten auch Kreislauf-, Denk-, Schlaf- und Konzentrationsschwierigkeiten auf, verbunden mit Stimmungsschwankungen.
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hat jetzt zusammen mit anderen Gesellschaften und Verbänden eine aktualisierte Patientenleitlinie zu dem Long/Post-COVID-Syndrom vorgestellt.
„Wir beantworten in verständlicher Sprache die wichtigsten Fragen zu den wesentlichen Beschwerden, ihren potenziellen Ursachen und den möglichen Therapieansätzen. Unser Ziel ist, den Behandlungsprozess deutlich zu verbessern“, sagte der Koordinator der Patientenleitlinie, Christian Gogoll. Basis der Patientenleitlinie ist die ärztliche „S1-Leitlinie Long-/Post-COVID“.
„Wir verwenden Long COVID, um Anzeichen und Symptome zu beschreiben, die mehr als vier Wochen nach der akuten COVID-19 bestehen. Post COVID beschreibt das Krankheitsbild ab der zwölften Woche nach der ursprünglichen Infektion“, definieren die Autoren in der Leitlinie.
Unter Long und Post COVID leiden nach aktuellen Erkenntnissen überwiegend junge Erwachsene – Frauen etwas häufiger als Männer. Es können jedoch auch Kinder und ältere Erwachsene erkranken.
„Wenn Beschwerden nach überstandener COVID-19-Erkrankung anhalten oder neu auftreten, sollte unbedingt der eigene Hausarzt oder die Hausärztin für eine erste Einschätzung hinzugezogen werden. Keiner sollte sich scheuen, anschließend auch einen spezialisierten Facharzt aufzusuchen“, erklärte Gogoll, Pneumologe an der Evangelischen Lungenklinik in Berlin-Buch.
Noch ist laut der Autorengruppe der Patientenleitlinie weitgehend unbekannt, wie es zu diesen Symptomen kommt, auch spezialisierte Medikamente stehen nicht zur Verfügung. Aber die Symptome lassen sich bei einem Großteil der Erkrankten behandeln und verbessern sich häufig.
Die Leitlinie erklärt Betroffenen, wie Übungen in Eigenregie, aber auch Physio- und Ergotherapie helfen können. Außerdem enthält sie konkrete Ernährungsempfehlungen. Tipps geben die Autoren zudem für die Suche nach einer passenden Selbsthilfegruppe und nach Ärzten, die sich mit dem Post-COVID-Syndrom gut auskennen.
Unter den 32 Autoren der Patientenleitlinie sind Ärzte sowie Therapeuten und zum Teil selbst betroffene Erwachsene sowie Eltern von betroffenen Kindern und Jugendlichen. Unterstützt wird die Leitlinienarbeit von 25 medizinischen Fachgesellschaften und vier Betroffenenorganisationen.
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