Patientenrelevanter Nutzen von KI-Systemen bei der radiologischen Suche nach möglichem Lungenkrebs nicht belegt

Köln – Ob Künstliche Intelligenz (KI) die Erkennung von Lungenkrebs bei der Auswertung von Röntgen- oder CT-Bildern verbessert, bleibt nach einer Untersuchung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) offen. Für die Befundung bei einem Krebsverdacht ebenso wie für die Lungenkrebsfrüherkennung reicht die verfügbare Evidenz nicht aus, um Nutzen oder Schaden der KI-Unterstützung zu beurteilen. Das geht aus einem ThemenCheck-Bericht des Instituts hervor.
Auf Vorschlag eines Bürgers untersucht der IQWiG-Bericht, ob Lungenkrebs sich auf Röntgen- oder CT-Bildern mit KI-Unterstützung ebenso gut oder besser erkennen lässt als ohne KI und welche Folgen das für die Versorgung haben könnte.
Hierfür betrachtete das IQWiG zwei Fragestellungen: Die erste betrifft Erwachsene mit explizitem Verdacht auf Lungenkrebs, bei denen zur Abklärung Röntgen- oder CT-Bilder der Lunge ausgewertet werden. Die zweite betrifft Erwachsene, die an der Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie (Low-Dose-CT) teilnehmen.
In beiden Fällen analysierte das IQWiG-Team die in den Studien untersuchte Befundung durch Radiologinnen und Radiologen mit KI-Unterstützung gegenüber Befundung ohne KI-Unterstützung. Es prüfte, wie zuverlässig KI-Systeme Bilder auswerten und ob ihr Einsatz in der diagnostisch-therapeutischen Kette das Überleben verbessert, die Krankheitslast mindert oder die Lebensqualität erhöht.
Die Recherche ermöglicht laut dem IQWiG-Team aufgrund der derzeit unzureichenden Datenlage für keine der beiden Fragestellungen eine belastbare Aussage zu Nutzen oder Schaden: Für Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Lungenkrebs fand das IQWiG keine auswertbaren Studien. Zur Lungenkrebsfrüherkennung liegen zwar zwei Studien zur Diagnosegenauigkeit vor. Die Ergebnisse der beiden Studien widersprechen sich laut der Arbeitsgruppe jedoch und die Studien wiesen methodische Mängel auf. Daher lasse sich weder ein Nutzen noch ein Schaden der KI-Unterstützung ableiten.
Derzeit ist somit laut dem ThemenCheck nicht ausreichend belegt, ob die Befundung von Röntgen- oder CT-Bildern der Lunge mit KI-Unterstützung mit einem patientenrelevanten Nutzen einhergeht.
„KI-Systeme können die radiologische Diagnostik bei Lungenkrebs unterstützen. Ob daraus ein patientenrelevanter Nutzen entsteht, ist derzeit unklar. Gut geplante Studien sind notwendig, um sowohl die diagnostische Genauigkeit als auch den patientenrelevanten Nutzen bewerten zu können“, zog Alexandra Korzeczek-Opitz, Projektleitung im Ressort Versorgung und Leitlinien des IQWiGs, ein Fazit.
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