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Patientensteuerung: Mehrheit befürwortet Primärversorgungssystem

  • Montag, 20. Oktober 2025
/bongkarn, stock.adobe.com
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Berlin – Rund 55 Prozent der Deutschen stimmen dem Vorhaben zu, Facharzttermine nur nach Überweisung zu vergeben, wobei Termine bei Zahn-, Frauen- und Kinderärzten davon ausgenommen sein sollen. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des AOK-Bundesverbandes

79 Prozent sagen, dass ihnen ein fester Ansprechpartner wichtig sei, der ihnen bei allen gesundheitlichen Anliegen zur Seite stehe und sie bei Bedarf durch das Gesundheitssystem lotse. Bei Menschen ab 60 Jahren liegt dieser Anteil in der Umfrage bei 84 Prozent.

„Das ist eine gute Ausgangslage für die angestrebte Reform“, bewertet die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, das Umfrageergebnis. Wichtig sei, deutlich zu machen, dass der Wechsel zu einem Primärversorgungssystem Vorteile für alle gesetzlich Versicherten bringe – „in erster Linie schnellere Facharzttermine nach Bedarf und Dringlichkeit sowie eine effizientere Nutzung der Ressourcen“, so Reimann.

Als Ergänzung zum Reformvorhaben des Bundesgesundheitsministeriums hatte die AOK-Gemeinschaft in ihrem bereits im Sommer 2025 vorgelegten Positionspapier vorgeschlagen, die hausärztliche Versorgung so weiterzuentwickeln, dass nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern Teams aus unterschiedlichen medizinischen Berufsgruppen gemeinsam die Grundversorgung übernehmen.

Laut der neuen Forsa-Umfrage befürworten 57 Prozent der Befragten dieses Konzept der Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe. „Wir müssen weg von der reinen Arztfokussierung. Dieser teambasierte Ansatz hat sich in anderen Ländern bereits gut bewährt. Er würde auch in Deutschland Entlastung bringen und die Versorgung verbessern“, so Reimann.

Der Forsa-Umfrage zufolge wirken sich Orientierungslosigkeit und fehlende Steuerung vor allem an den Wochenenden und außerhalb der Praxis-Sprechzeiten negativ aus: So sagten 32 Prozent der Befragten, dass sie auch bei medizinischen Problemen, die keine lebensbedrohlichen Notfälle darstellen, am Wochenende als erste Anlaufstelle die Notaufnahme aufsuchen würden. Fünf Prozent gaben sogar an, dass sie in solchen Fällen die Notrufnummer 112 wählen würden.

Aus Sicht der AOK müssen künftig die geplanten Primärversorgungspraxen und die Akutleitstelle für die 116117 die Behandlungsdringlichkeit anhand eines standardisierten Ersteinschätzungsverfahrens beurteilen und Patienten in die passende Behandlung vermitteln. Das würde dem Kassenverband zufolge auch die Notfallversorgung entlasten.

Reimann wies außerdem daraufhin, dass sich 81 Prozent der Befragten eine am Bedarf ausgerichtete Terminvergabe und 77 Prozent eine aktive Unterstützung bei der Terminsuche durch ihre Krankenkasse wünschen.

hil

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