Vermischtes

Prävention ganzheitlich denken, Gesundheitskosten senken

  • Dienstag, 17. März 2026
/VectorMine, stock.adobe.com
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Berlin – Die Diskrepanz zwischen den Gesundheitsausgaben und der mittleren Lebenserwartung in Deutschland ist zu hoch. Dies kritisierte gestern Hajo Zeeb, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie, beim Kongress Armut und Gesundheit in Berlin.

Das deutsche Gesundheitssystem sei stark auf die Behandlung von Krankheiten, aber weniger auf die Prävention und Gesundheitsförderung ausgerichtet, sagte er. Es gebe eine Vielzahl an Maßnahmen, die ein hohes Potenzial hätten, kostengünstig zu einer besseren Gesundheit beizutragen.

„Tabak, Alkohol, Zucker und ungesunde Ernährung sind in Deutschland zu breit und zu billig verfügbar“, betonte der Präventionsforscher. Eine Lösung könnten Zeeb zufolge verhältnispräventive Ansätze durch Regulierungen und Besteuerungen solch gesundheitsschädlicher Substanzen sein.

Auch bei den nicht übertragbaren Erkrankungen könne Deutschland jährliche Einsparungen von rund elf Milliarden Euro erreichen, wenn es in Sachen Prävention zu Spitzenreitern wie Großbritannien oder den nordischen Ländern aufschließen würde. „Damit würde jedoch nicht nur Geld gespart, sondern vor allem Gesundheit gewonnen“, sagte er.

Dass es in Deutschland bereits viele wichtige Ansätze zur Prävention und Gesundheitsförderung gibt, darin waren sich die Expertinnen und Experten auf den Podien einig.

Um die Projekte weiter voranzutreiben, sodass sie auch bei den Menschen ankommen, brauche es jedoch ganzheitliche und ressortübergreifende Ansätze, die auch auf politischer Ebene noch stärker in Angriff genommen werden müssten. Dies betonten unter anderem Katharina Schenk (SPD), Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie in Thüringen, und Anette Christ vom Gesundheitsamt in Frankfurt am Main.

Sogenannte Co-Benefits für verschiedene Bereiche müssten sichtbar werden, bekräftigten Ilona Kickbusch, Leiterin des globalen Gesundheitsprogramms am Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf, und Mattias Wismar von der Weltgesundheitsorganisation. So könne Prävention etwa auch maßgeblich zur Senkung volkswirtschaftlicher Kosten beitragen.

Christoph Aluttis, Leiter des Referats Erwachsene, Ältere, Frauen- und Männergesundheit, Chancengleichheit im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), betonte, dass Gesundheit zu einem großen Teil außerhalb des Gesundheitssystems entstehe. Bildung, Einkommen oder Wohnbedingungen hätten einen entscheidenden Einfluss.

Es sei deshalb wichtig, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen und gesundheitliche Auswirkungen in allen Politikbereichen mitzudenken, wie es auch das Prinzip „Health in All Policies“ vorsehe, sagte er.

Das BIÖG könne die Politik wesentlich dabei unterstützen, indem es wissenschaftliche Erkenntnisse bündele und evidenzbasierte Informationen bereitstelle. „Besonders wirksam ist dabei die Identifizierung politischer Maßnahmen, die nachweislich zur Verbesserung der gesundheitlichen Chancengleichheit beitragen und zugleich in unterschiedlichen Politikfeldern anschlussfähig sind“, bekräftigte Aluttis.

Wichtig sei zudem, gesundheitliche Entwicklungen systematisch zu erfassen und zu analysieren, damit sich Trends frühzeitig erkannt und wirksame Maßnahmen abgeleitet werden könnten.

In mehr als 100 Veranstaltungen diskutierten Fachleute beim Kongress Armut und Gesundheit in Berlin gestern und heute darüber, welchen Einfluss der Sozialstatus auf die Gesundheit hat und wie sozial bedingte Ungleichheiten bei den Gesundheitschancen nachhaltig verringert werden können.

nfs

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