Prognose für ambulante Versorgung in Niedersachsen vorgelegt

Hannover – Drohende Versorgungslücken in den kommenden Jahren fürchtet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen. Ein Grund ist eine neue Prognose für die ambulante ärztliche Versorgung im Land, die heute vorgelegt wurde.
„Ein großer Teil der ambulanten Versorgung in Niedersachsen wird aktuell von über 68-jährigen Ärztinnen und Ärzten getragen. Hier besteht das Risiko, dass sie ad hoc ihre Praxistätigkeit aufgeben“, sagte Stephan Thomsen vom Institut für Wirtschaftspolitik der Universität Hannover, heute bei der Vorstellung.
„Die Gefahr vermehrter Praxisaufgaben besteht akut“, warnte Thorsten Schmidt, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KV. Er fürchte, dass durch die geplanten gesetzlichen Honorarkürzungen durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ab 2027 vor allem ältere Ärzte und Psychotherapeuten ihre Praxen deutlich früher aufgäben als ursprünglich geplant oder in die rein private Versorgung wechselten.
Die wirtschaftliche Belastung durch geringere Einnahmen senke die Bereitschaft, auch im höheren Lebensalter weiterzuarbeiten. „Vor allem in strukturschwachen oder ländlichen Regionen Niedersachsens, in denen ohnehin ein massiver Ärztemangel herrscht, verschärft dies die Versorgungssituation“, so Schmidt.
Der Untersuchung zufolge wird es in Niedersachsen bis zum Jahr 2040 einen Bevölkerungsrückgang von jetzt acht Millionen auf 7,65 Millionen Einwohner geben. Das verringere zwar den Bedarf an Ärzte und Psychotherapeuten, auf der anderen Seite.
Aufgrund der alternden Bevölkerung sei auf der anderen Seite zugleich ein erhöhter Bedarf an medizinischer Versorgung zu erwarten. Für die Versorgung wird aus Sicht von Thomsen die Verteilung entscheidend sein und nicht allein die Zahl der Ärzte und Psychotherapeuten insgesamt.
Hausärztliche Versorgung
Den stärksten Bevölkerungsrückgang könnte es der Analyse nach im südlichen Niedersachsen in den hausärztlichen Planungsbereichen Osterode am Harz, Bad Harzburg, Hann. Münden, Duderstadt und Clausthal-Zellerfeld geben. Ein leichter Bevölkerungsanstieg sei in der Stadt Hannover und im westlichen Niedersachsen in Friesoythe, Cloppenburg und Vechta zu erwarten.
Im Augenblick arbeiten 5.421 Hausärztinnen und Hausärzte in Niedersachsen. Je nachdem, wie viele neue Ärzte sich in der ambulanten Versorgung niederlassen, sinkt oder steigt diese Zahl an. Die Prognose reicht für das Jahr 2040 von 4.560 (minus zehn Prozent) über 4.872 (minus drei Prozent) bis zu 5.634 (plus zwölf Prozent). Die KV geht von einem moderaten Rückgang der Zahlen aus.
Die Problemregionen der hausärztlichen Versorgung werden der Studie zufolge die Planungsbereiche Helmstedt, Quakenbrück, Bad Pyrmont, Gifhorn und das Wolfsburger Umland sein.
Von 105 Planungsbereichen könnten im Jahre 2040 16 unterversorgt und 24 Planungsbereiche überversorgt sein. 65 Planungsbereiche hätten einen Versorgungsgrad zwischen 110 und 75 Prozent, wie es heißt.
In der fachärztlichen Versorgung wird es bis zum Jahr 2040 laut der Prognose in weiten Teilen Niedersachsens ein Absinken der Versorgungsgrade – bis hin zur Unterversorgung – geben. Betroffen sind die Fachgruppen der Augenärzte, Frauenärzte, HNO-Ärzte, Hautärzte, Kinder- und Jugendärzte, Nervenärzte und Urologen.
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