Psychische Belastungen können Ausbildungserfolg gefährden

Gütersloh – Eine erfolgreiche Berufsausbildung kann durch psychische Belastungen erheblich gefährdet werden. Das zeigt eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Demnach denken fast drei Viertel (74 Prozent) der Azubis mit stark eingeschränktem Wohlbefinden ernsthaft darüber nach, ihre Ausbildung abzubrechen. Bei denjenigen mit stabilem Wohlbefinden sind es demnach nur zwölf Prozent.
„Psychische Belastungen wirken sich nicht nur negativ auf das Wohlbefinden der Betroffenen, sondern auch auf deren Produktivität im Unternehmen aus und erhöhen das Risiko für den Ausbildungsabbruch“, sagte Fabian Schaffer, Experte der Bertelsmann-Stiftung für berufliche Bildung. „Es liegt daher im ureigenen Interesse der Unternehmen, psychische Belastungen ernst zu nehmen und entsprechende Unterstützung zu organisieren“, fügte er hinzu.
Für die Studie wurden 929 Auszubildende im Alter von 15 bis 25 Jahren befragt, die eine duale Ausbildung absolvieren. Mittels eines standardisierten Fragebogens wurde dabei ermittelt, dass rund 15 Prozent der Befragten von einem „besorgniserregend schlechten Wohlbefinden“ berichteten, wie die Stiftung erklärte.
Würden Belastungen früh erkannt und Auszubildende gezielt unterstützt, könne es gelingen, „Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, berufliche Perspektiven junger Menschen zu sichern und die Nachwuchskräfte in den Unternehmen zu halten.“
Für die Sichtweise der Betriebe wurden im Rahmen der Studie zudem die Daten einer Befragung des IW unter 1.188 Unternehmen ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass sich viele der befragten Unternehmen bereits für die mentale Gesundheit ihrer Auszubildenden engagieren und beispielsweise Präventionskurse oder Schulungen zu Themen wie Stressmanagement anbieten oder interne Ansprechpartner bereitstellen.
Allerdings seien solche Angebote in kleinen und mittleren Betrieben deutlich seltener vorhanden als in Großunternehmen, hob die Stiftung hervor. Zudem wisse nur etwas mehr als ein Drittel der Auszubildenden von den einzelnen Unterstützungsangeboten in der eigenen Ausbildung.
Erschwerend komme hinzu, „dass 35 Prozent der Azubis mentale Belastungen nicht ansprechen, weil sie dadurch Nachteile für sich befürchten“. Die Fachleute der Bertelsmann-Stiftung und des IW empfehlen daher den Betrieben, einen offenen Umgang mit mentaler Gesundheit in der Ausbildung zu fördern und Präventionsangebote gerade auch für Azubis auszubauen und bekannter zu machen.
Insgesamt sieht das Autorenteam die Förderung der mentalen Gesundheit als eine Aufgabe für alle Akteure der beruflichen Bildung. Schulen könnten junge Menschen frühzeitig in ihrer Persönlichkeit stärken, Berufsschulen und Betriebe sollten Belastungen schneller erkennen und gemeinsam reagieren.
Kammern, Sozialpartner, Bildungsträger und Beratungsstellen könnten demnach insbesondere kleine und mittlere Unternehmen unterstützen. Die Politik wiederum solle „verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und den Zugang zu Prävention und Beratung erleichtern“.
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