Ärzteschaft

Psychotherapeuten warnen vor Nachteilen für psychisch Kranke durch geplantes Primärarztsystem

  • Freitag, 23. Mai 2025
/Microgen, stock.adobe.com
/Microgen, stock.adobe.com

Bonn – Das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW) warnt davor, das Erstzugangsrecht zum Psychotherapeuten in dem im Koalitionsvertrag angekündigten Primärarztsystem aushebeln zu wollen. Der Verband bezieht sich dabei auf eine Ankündigung von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die Einführung des Primärarztsystems zur besseren Patientensteuerung „schnell umsetzen“ zu wollen.

Der Koalitionsvertrag sieht vor, ein verbindliches Primärarztsystem bei freier Arztwahl durch Haus- und Kinderärzte in der Hausarztzentrierten Versorgung und im Kollektivvertrag einzuführen. Ausnahmen soll es für die Gynäkologie und die Augenheilkunde geben.

„Wir sehen fatale Folgen für psychisch kranke Menschen, wenn der Zugang zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung durch eine vorgeschaltete Hausarztinstanz unnötig erschwert und erheblich verzögert wird“, so der DPNW-Vorsitzender Dieter Adler. Die Wartezeiten seien jetzt schon viel zu lang. Psychotherapie solle deshalb von dem geplanten Primärarztsystem ausgenommen werden.

Auch die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) mahnte kürzlich beim 4. Deutschen Psychotherapie Kongress in Berlin, der niedrigschwellige und überweisungsfreie Zugang der Patienten zur psychotherapeutischen Versorgung sei „nicht verhandelbar“. Das qualifizierte Steuerungsinstrument sei hier die psychotherapeutische Sprechstunde, die gut in Anspruch genommen werde.

Unterstützung kam bei dem Kongress vom Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Er sprach sich dafür aus, dass „der Zugang zur Psychotherapie sicherlich nicht über die primärärztliche Versorgung gesteuert werden muss“. Die psychotherapeutische Sprechstunde sei zur Patientensteuerung angemessen.

Auch die Vorstandsvorsitzende des Verbands der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner, stellte vor den Psychotherapeuten klar: „Wir sehen kein reines Hausarztmodell, sondern den direkten Zugang zu Psychotherapeuten und bestimmten Facharztgruppen.“

PB

Diskutieren Sie mit:

1

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Kommentare (1)

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung