Quartalsbezahlung medizinisch inhaltlich nicht gerechtfertigt

Münster – Die Rahmenbedingungen ärztlichen Handelns in niedergelassenen Praxen und auch in Krankenhäusern müssen aus Sicht des neuen Präsidenten der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, dringend verbessert werden. Dafür will er sich auch kurzfristig einsetzen.
Dass sich Ärzte ihren Patienten verstärkt zuwenden und zuhören sowie erklären könnten, was ihnen fehle, müsse wieder „mehr Raum“ finden, sagte Reinhardt heute im ZDF-Morgenmagazin. „Das ist das, was wir Empathie nennen“, erklärte der 59-Jährige Allgemeinmediziner, der seit gestern an der Spitze der Bundesärztekammer (BÄK) steht.
Er betonte, es sei notwendig veraltete Strukturen zu ändern und falsch gesetzte Anreize im System zu beseitigen. Das betreffe beispielsweise die Fallpauschalen im Krankenhaus oder die Art und Weise der Honorierung in der vertragsärztlichen ambulanten Versorgung. Als Beispiel nannte Reinhardt den Bezug zur Quartalsbezahlung bei der Honorierung der Vertragsärzte. Dieser sei „medizinisch inhaltlich nicht gerechtfertigt“.
Reinhardt betonte darüber hinaus, das Besondere an der hausärztlichen Tätigkeit sei, dass man Menschen nicht nur im Zusammenhang mit einer Erkrankung sehe, sondern häufig über Jahre und Jahrzehnte betreue.
Dieses besondere Vertrauensverhältnis, das sich zwischen dem Patienten und dem Arzt entwickele, sei spezifisch für die hausärztliche Tätigkeit. „Diesen Aspekt des Vertrauens und der besonderen Beziehung auch noch mal in die berufspolitische einzubinden, ist das Besondere, wenn auch mal ein Hausarzt an der Spitze der Bundesärztekammer steht“, sagte er. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bezeichnete Reinhardt nicht als Gegenspieler, sondern als „Partner“.
Klaus Reinhardt, der auch Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe ist, war gestern mit vier Stimmen Vorsprung auf seine Gegenkandidatin Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, im dritten Wahlgang von den Delegierten des 122. Deutschen Ärztetages an die Spitze der Bundesärztekammer gewählt worden.
Er ist der erste Hausarzt auf diesem Posten. Bislang war die Position immer durch Krankenhausärzte besetzt worden. Reinhardt folgt auf Frank Ulrich Montgomery, der nach acht Jahren nicht wieder zur Wahl angetreten war.
Der neue BÄK-Chef forderte die Ärzteschaft gestern zur Geschlossenheit auf. „Im Gesundheitswesen ist der Kulturwandel im vollen Gang. Wenn wir diesen Wandel gestalten wollen, muss sich die Ärzteschaft auf die verbindenden Elemente besinnen und eine intelligente Vorwärtsstrategie entwickeln“, erklärte er.
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