Klaus Reinhardt ist neuer Präsident der Bundesärztekammer

Münster – Klaus Reinhardt ist neuer Präsident der Bundesärztekammer (BÄK). Die Delegierten wählten den 59-jährigen Allgemeinarzt aus Bielefeld heute auf dem 122. Deutschen Ärztetag in Münster. Er erhielt 124 von 245 gültig abgegeben Stimmen. Reinhardt löst Frank Ulrich Montgomery (66) ab, der nach acht Jahren an der Spitze der deutschen Ärzteschaft nicht mehr zur Wahl antrat.
Reinhardts Gegenkandidaten waren Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. Sie scheiterte knapp im dritten Wahlgang. Auf Wenker entfielen 121 Stimmen. Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz, sowie Gerald Quitterer, Präsident der Bayerischen Landesärztekammer, waren bereits nach den beiden vorherigen Wahlgängen ausgeschieden.
„Die härteste politische Währung ist die Glaubwürdigkeit. Als Hausarzt bin ich ganz konkret konfrontiert mit den Problemen, die es berufspolitisch anzupacken gilt“, sagte Reinhardt. Seine Verbandstätigkeit eröffne ihm darüber hinaus auch einen intensiven Blick in den Berufsalltag der Kolleginnen und Kollegen in der Klinik, gerade auch auf die Situation des ärztlichen Nachwuchses.
Aufruf zur Geschlossenheit
Reinhardt forderte die Ärzteschaft heute zur Geschlossenheit auf. „Im Gesundheitswesen ist der Kulturwandel im vollen Gang. Wenn wir diesen Wandel gestalten wollen, muss sich die Ärzteschaft auf die verbindenden Elemente besinnen und eine intelligente Vorwärtsstrategie entwickeln“, kündigte Reinhardt an.
Dabei komme der ärztlichen Selbstverwaltung eine wichtige Funktion zu. „Wir dürfen die Selbstverwaltung nicht zur Auftragsverwaltung des Staates verkommen lassen. Die Herausforderungen für unser Gesundheitswesen sind einfach zu groß, als dass wir sie der Politik allein überlassen können“, sagte Reinhardt nach der Wahl.
„Wir brauchen mehr Zeit für ärztliches Handeln. Ärztliche Zuwendung und Empathie sind die Basis für das Vertrauen der Patienten in uns. Die Sicherstellung der dafür notwendigen Freiräume muss wieder Maßstab des gesetzgeberischen, aber auch des selbstverwaltenden Handelns werden. Das ist mein Credo, dafür werde ich kämpfen“, so Reinhardt.
Eine der wichtigsten Zukunftsthemen sei die Digitalisierung des Gesundheitswesens. „Digitalisierung kann bei Diagnostik und Therapie helfen. Am Ende dürfen aber keine Algorithmen über Therapien entscheiden, sondern nur Ärztinnen und Ärzte. Und deshalb dürfen wir keinen Zweifel daran lassen, dass wir als Ärzteschaft diese Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten wollen.“

Reinhardt, der in Italien Medizin studierte, ist seit 1993 in eigener Praxis niedergelassen und seit Jahren in der Berufspolitik aktiv. Seit 2005 ist er Vizepräsident der Landesärztekammer Westfalen-Lippe.
2011 übernahm er den Vorsitz im Hartmannbund, der nach eigenen Angaben die Interessen von rund 60.000 Ärzten aus Krankenhäusern und Praxen vertritt. 2015 wurde Reinhardt in den Vorstand der BÄK gewählt.
Er leitet zudem seit 2016 deren Gebührenordnungsausschuss, der zusammen mit dem Verband der Privaten Krankenversicherung über eine grundlegende Reform der privatärztlichen Abrechnung verhandelt.
Im vergangenen Dezember hatte Reinhardt als erster Bewerber seine Kandidatur für den Posten des BÄK-Präsidenten angekündigt. Im April erläuterte er in einem Brief an die Delegierten des Deutschen Ärztetages seine Vorstellungen. Das Gesundheitssystem, der Berufsstand und die Arbeitsbedingungen der Ärztinnen und Ärzte seien im Umbruch, schrieb Reinhardt. Ökonomisierung, Digitalisierung und die Rolle neuer Gesundheitsberufe berührten den Kern des ärztlichen Selbstverständnisses und die Freiheit der Berufsausübung.
„Wir können ganz maßgeblich dazu beitragen, die richtigen Antworten darauf zu geben und damit unsere Zukunft zu prägen“, so Reinhardt. Es gelte, den Deutschen Ärztetag als „Parlament der Ärzteschaft“ aufzuwerten und dort tragfähige Entscheidungen für den Berufsstand und die Versorgung der Patienten zu treffen. Neben der konstruktiven Beteiligung an der Gestaltung der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen versprach er, dort, wo es geboten sei, intensiver als bisher auch politisches „Gegenhalten“.
Mitunterzeichnerinnen des Briefes an die Delegierten sind die Kinderchirurgin Heidrun Gitter (59), Präsidentin der Ärztekammer Bremen, und die niedergelassene Hals-Nasen-Ohren-Ärztin Ellen Lundershausen (68), Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen. Die drei traten bei der Wahl heute als Team an. Reinhardt kandidierte für das Präsidentenamt, Gitter und Lundershausen als Vizepräsidentinnen.
Weitere Wahlen für den Vorstand
Als Vizepräsidentinnen wurden Heidrun Gitter, Präsidentin der Ärztekammer Bremen, und Ellen Lundershausen, Präsidentin der Ärztekammer Thüringen, gewählt.
Bei der Wahl von Heidrun Gitter haben 244 Delegierte ihre Stimmen abgegeben. Eine Stimme war ungültig, es gab fünf Enthaltungen. Sie konnte 125 Stimmen auf sich vereinen. Bei der Wahl von Ellen Lundershausen wurden 246 Stimmen abgegeben, zwei waren ungültig. Zudem gab es sieben Enthaltungen. Lundershausen bekam 126 der 237 gültigen Stimmen.
Die beiden zusätzlichen Plätze im Vorstand der BÄK werden durch zwei „weitere Ärzte“ besetzt. Bei der ersten Wahl entfielen auf Susanne Johna, Hessen, 198 Stimmen. 42 Abgeordnete votierten für Paula Hezler-Rusch, Baden-Württemberg. Johna ist bereits im Vorstand der BÄK, im Vorstand des Marburger Bundes sowie im Präsidium der Hessischen Landesärztekammer aktiv. Sie ist Oberärztin mit Schwerpunkt für Hygiene.
Als „weiterer Arzt“ im Vorstand wurde bei der zweiten Wahl Peter Bobbert, Kardiologe in einem kleineren Klinikum in Berlin, gewählt. Auf ihn entfielen 145 von 240 gültigen Stimmen. Er engagiert sich als Schatzmeister in der Berliner Ärztekammer sowie im Marburger Bund. Bobbert setzte sich in zwei Wahlgängen gegen Christiane Groß, Nordrhein, Hans-Michael Mühlenfeld, Bremen, und Paula Hezler-Rusch, Baden-Württemberg, durch.
Nach ingesamt neun Wahlgängen sind die Wahlen für den neuen Vorstand der Bundesärztekammer damit beendet.
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