Radiologie: Was sind die Zeichen häuslicher Gewalt?

Boston – Gewalt durch Intimpartner ist vermutlich häufiger als angenommen. Viele Opfer verschweigen die Ursachen ihrer Verletzungen. Es gibt jedoch bestimmte Muster, die Ärzte misstrauisch machen sollten. Eine auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America in Chicago vorgestellte Studie zeigt, worauf geachtet werden sollte.
Anlass für die Studie von Bharti Khurana, einer Radiologin am Brigham and Women's Hospital in Boston, war der Fall einer jungen Frau, die sich wegen einer akuten Nasenbeinfraktur in der Notfallaufnahme vorgestellt hatte. Die Röntgenaufnahme des Schädels zeigte, dass die neue Fraktur eine ältere geheilte Fraktur überlagerte. Es war für die Frau deshalb nicht die erste Verletzung dieser Art gewesen. In der Krankenakte fand Khurana dann noch einen Hinweis auf eine kürzlich erlittene Handgelenkfraktur. Dieses typische Muster einer wiederkehrenden Verletzung, das auf Gewalt durch Intimpartner hinwies, war vom überweisenden Arzt übersehen worden.

Die Radiologin wertete daraufhin die Krankenakten von 181 Patienten aus, die an einem Programm zur Unterstützung von Opfern häuslicher Gewalt teilgenommen hatten. Die Patienten waren zu 95 Prozent weiblich und mit durchschnittlich 34,7 Jahren relativ jung. Die am häufigsten durchgeführte Untersuchung war ein Röntgenthorax, gefolgt von einer gynäkologischen Ultraschalluntersuchung und Röntgenuntersuchungen des Bewegungsapparates.
Für die meisten Frauen war es nicht der erste Besuch in der Notfallaufnahme. Im Durchschnitt waren sie zuvor viermal wegen Verletzungen radiologisch untersucht worden. Wiederholte Verletzungen sind bei häuslicher Gewalt nicht ungewöhnlich.
Es gab auch häufige Verletzungsmuster. Dazu gehörten Weichteilverletzungen (Schwellungen, Hämatome oder Quetschungen) und Extremitätenfrakturen, die häufig die distalen oberen Extremitäten betrafen, also den Unterarm und die Hände. Hier kommt es laut Khurana häufig durch Abwehrversuche zu Verletzungen. Weitere häufig beobachtete Verletzungen waren Gesichtsfrakturen.
Viele Opfer litten unter körperlichen oder psychischen Symptomen, die nicht direkt mit dem Missbrauch in Zusammenhang standen. Viele Gewaltopfer sind obdachlos, sexuelle Übergriffe sind bei Drogenabhängigen häufiger.
Bei jedem Verdacht auf einen Missbrauch sollten die Radiologen das Gespräch mit dem Patienten suchen und am besten auch den überweisenden Arzt hinzuziehen.
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