Regierung will Corona-Jahrgang auf dem Ausbildungsmarkt verhindern

Berlin – Möglichst viele junge Menschen sollen nach dem Willen der Bundesregierung trotz der Coronapandemie eine Chance auf eine Berufsausbildung haben.
Die geplanten Prämien für Betriebe, die in der Krise weiter ausbilden oder die Zahl der Lehrstellen sogar erhöhen, können nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) von Anfang August an beantragt werden. Die entsprechende Förderrichtlinie soll demnach noch heute im Bundesanzeiger veröffentlicht werden.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte dazu, es solle verhindert werden, „dass es einen Corona-Jahrgang am Ausbildungsmarkt gibt“. Kleine und mittlere Ausbildungsbetriebe, die besonders von der Coronapandemie betroffen sind, sollen 2.000 Euro für jeden abgeschlossenen Lehrvertrag erhalten, wenn sie ihre Zahl an Azubis stabil halten.
Für jeden Ausbildungsplatz, den sie über Vorjahresniveau schaffen, bekommen sie sogar 3.000 Euro. „Das Signal an die kleinen und mittelständischen Unternehmen ist: Bildet aus – trotz Corona!“, betonte Heil.
Unterstützung soll es daneben auch für Unternehmen geben, die Auszubildende nicht in Kurzarbeit schicken und für Betriebe, die Azubis aus Unternehmen aufnehmen, die insolvent gegangen sind. Für die Maßnahmen werden 500 Millionen Euro eingeplant.
Der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Holger Schwannecke, nannte das Programm „richtig und wichtig“. Das geplante Antragsverfahren sei aber zu kompliziert. Die Unterstützung möglichst zielgenau und bürokratiearm zu gestalten, sei „leider nicht ideal gelungen“.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) appellierte an die Unternehmen, den Arbeitsagenturen schnellstens ihre freien Ausbildungsplätze zu melden. „Wer jetzt an der Ausbildung spart, wird spätestens nach Corona über den Fachkräftemangel klagen. Zurückhaltung ist hier nicht angebracht“, sagte DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte.
Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, hatte das Ausbildungsjahr 2020 als „ein Würgejahr“ bezeichnet. „Das Problem ist, dass wir in den letzten Monaten mit unseren Berufsberatern nicht in die Schulen konnten.“
Sowohl die Zahl der Bewerber als auch die Zahl der Stellen sei um acht bis zehn Prozent rückläufig. Der Vermittlungsprozess hänge zeitlich sechs bis acht Wochen hinter den Vorjahren zurück.
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