Rheumapatienten sollten Therapie trotz Pandemie fortsetzen

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie hat ihre Empfehlung erneuert, dass Rheumapatienten ihre Medikamente trotz der Coronapandemie weiterhin einnehmen sollten, solange keine Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 nachgewiesen ist und die Patienten keine Symptome einer COVID-19-Erkrankung aufweisen. Wichtig sei zudem, die Hygiene- und Abstandsregelungen strikt zu befolgen.
„Ob Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen besonders gefährdet sind, sich mit dem Virus zu infizieren und ob sie – im Falle einer Infektion – ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Viruserkrankung haben, ist Stand heute weitestgehend unbekannt“, sagte der Präsident der Fachgesellschaft, Hendrik Schulze-Koops.
Bei einem Absetzen der Rheumamedikation sei aber die Sorge begründet, dass eine Rheumaerkrankung wieder aktiv werden könnte und dann zur Therapie sogar höhere Mengen von immunsuppressiven Medikamenten notwendig würden, so der Experte.
Die Fachgesellschaft weist auf eine Analyse der Kliniken für Rheumatologie, Gastroenterologie und Dermatologie der Universität Erlangen hin, die unter laufender Therapie einer entzündlichen gastroenterologischen, rheumatologischen oder dermatologischen Erkrankung das Auftreten von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 untersucht haben.
Der Beitrag ist im Fachmagazin Nature Reviews Immunology erschienen (doi 10.1038/s41577-020-0312-7). Im Blut der anti-entzündlich behandelten Patienten ließen sich danach seltener Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachweisen als bei zwei Kontrollgruppen – bei Mitarbeitern des Gesundheitssystems und bei der gesunden, nicht im Gesundheitssystem arbeitenden Bevölkerung. Zudem zeigten mit Biologika behandelte Patienten im Zeitraum von Februar bis April 2020 seltener Symptome von Atemwegserkrankungen.
Die Autoren der Studie schlossen aus diesen Beobachtungen, dass die Patienten unter Biologika-Therapie keinem erhöhten Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 gegenüber den beiden Kontrollgruppen unterliegen.
„Die Autoren unterstützen mit ihren Ergebnissen die Empfehlungen der DGRh insofern, dass Patienten unter einer laufenden Therapie ihrer entzündlichen rheumatologischen, dermatologischen oder gastroenterologischen Erkrankung keine besondere Risikogruppe darstellen und daher die Therapie allein aus Furcht vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht absetzen sollten“, hieß es aus der DGRh.
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