Politik

RKI: Gesunder Lebensstil soll Pflegebedürftigkeit vermeiden

  • Dienstag, 5. Mai 2026
/picture alliance, Zoonar, Robert Kneschke
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Berlin – Insgesamt 12,7 Prozent der Frauen und 7,9 Prozent der Männer in Deutschland leisten Pflege für An- und Zugehörige. Ein Drittel der Pflegenden gab an, sich stark oder sehr stark belastet zu fühlen. Sie berichten häufiger über chronische Erkrankungen, einen eingeschränkten Gesundheitszustand, schlechte Schlafqualität, Erschöpfung oder zeigen Anzeichen von Depressionen. Das geht aus einem heute in Berlin veröffentlichten Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor.

Für das sogenannte RKI-Gesundheitspanel werden seit Anfang 2024 rund 40.000 Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren aus ganz Deutschland regelmäßig befragt. Zur Pflege waren es mehr als 27.000 Personen. Mit Blick auf einen erwarteten deutlichen Anstieg der Pflegebedürftigkeit in den kommenden Jahren fordern die Wissenschaftler verstärkte Anstrengungen bei Gesundheitsförderung und Prävention.

In den höheren Altersgruppen brauche es zudem Maßnahmen, die eine längere selbstständige Lebensführung ermöglichen, eine bessere Risikoerkennung bei drohender Pflegebedürftigkeit sowie eine deutlich stärkere Entlastung pflegender An- und Zugehöriger.

Der Bericht weist darauf hin, dass Pflegebedürftigkeit sich oft über Jahre entwickele und es zahlreiche Ansätze gebe, sie hinauszuzögern oder zu verhindern. Vorboten für Pflegebedürftigkeit seien nicht nur Krankheiten, sondern auch funktionale Einschränkungen.

So berichteten laut Panel 38 Prozent der befragten Erwachsenen über Einschränkungen bei alltäglichen Tätigkeiten in den vergangenen sechs Monaten, 16 Prozent registrierten Gedächtnisverschlechterungen. Bei den über 65-Jährigen litten 65 Prozent unter mehreren Erkrankungen, 23 Prozent gaben an, im vergangenen Jahr mindestens einmal gestürzt zu sein.

Aus Sicht der Forschenden bewegen sich etwa drei Viertel der Älteren nicht ausreichend, essen weniger als die empfohlene Menge an Obst und Gemüse oder sind übergewichtig. 81 Prozent der Menschen in Deutschland verfügten über eine geringe allgemeine Gesundheitskompetenz. „Hier ist viel Raum für Ausbau vor allem gesundheitspolitischer und struktureller Maßnahmen“, so die Wissenschaftler.

Bei der Entwicklung von Pflegebedürftigkeit kommt es aus Sicht der Wissenschaftler auch maßgeblich auf die sozialen Rahmenbedingungen an. Soziale Unterstützung könne sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

Allerdings fühlen sich laut Panel 19,2 Prozent der über 65-Jährigen einsam. Frauen sowie Menschen aus sozioökonomisch benachteiligten Gruppen und mit Migrationsgeschichte seien zudem signifikant häufiger von gesundheitlichen und funktionalen Einschränkungen betroffen.

„Physische und psychosoziale Belastungen in Alltag und Beruf, von denen sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind, erhöhen die Risiken für eine Vielzahl chronischer Erkrankungen und frühe Pflegebedürftigkeit“, heißt es.

kna

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