Diabetologen fordern Regierungsbeauftragten für Diabetes und Adipositas

München – Zum heutigen Welt-Adipositas-Tag haben Diabetologen und Wissenschaftler politische Initiativen gegen die Adipositas-Epidemie bei Kindern und Jugendlichen gefordert. „Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen sind in Deutschland ein ernstes Problem“, warnte Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die letztverfügbaren und repräsentativen Daten für Deutschland wurden 2003 bis 2006 gemessen (KiGGS1). Danach sind fünfzehn Prozent der 3- bis 17-Jährigen übergewichtig.
„Ihnen droht im Erwachsenenalter ein erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislaufleiden, Krebs, Gelenkverschleiß und psychische Probleme“, warnte Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.
„Um dieser leidvollen und kostenintensiven Entwicklung entgegenzusteuern, benötigen wir einen Beauftragten der Bundesregierung für Diabetes und Adipositas“, forderte Kröger. Dieser könne beispielsweise auf die Bundesländer einwirken, verpflichtende Qualitätsstandards für das Essen an Schulen und Kitas einzuführen. Derzeit sei in Deutschland eine gesunde Kita- und Schulverpflegung noch die Ausnahme.
Als eine konkrete Maßnahme fordern DDG und diabetesDE wiederholt von der Politik, Lebensmittelwerbung, die an Kinder gerichtet ist, zu verbieten. Fett- und zuckerhaltige Nahrungsmittel und Getränke seien noch immer die meist beworbenen Produkte im Fernsehen und Internet, so die beiden Gesellschaften.
„Mir fehlt in der Politik das grundsätzliche Verständnis für die Probleme, die wir momentan im Zusammenhang mit Adipositas haben. Man kann im Grunde von einer Diskriminierung der Menschen mit Adipositas durch die Politik sprechen“, sagte Hans Hauner, Sprecher des Kompetenznetzes Adipositas. Jedes Jahr belasteten die Folgeerkrankungen von Adipositas das Gesundheitssystem mit zweistelligen Milliardenbeträgen. Präventionsmaßnahmen könnten diese Kosten deutlich reduzieren.
Laut Kompetenznetz liegt Deutschland in Sachen Prävention von Übergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes aber hinter der internationalen Entwicklung zurück. „Die Komplexität des Problems ruft nach einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz, dafür sind Strategien in Zusammenarbeit von Politik mit Betroffenen, Wissenschaftlern, Krankenkassen, Bildungseinrichtungen und anderen Stakeholdern nötig“, so Hauner.
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