Gesundheitsberufe müssen Priorität der Weltgesundheitsorganisation bleiben

Porto – Bei der Umstrukturierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) müssen die Gesundheitsberufe weiter im Fokus behalten werden, mahnt der Weltärztebund (World Medical Association, WMA).
In einer entsprechenden Entschließung warnt der WMA vor Kürzungen in der WHO-Abteilung für Arbeitskräfte im Gesundheitswesen sowie vor einer Verlagerung des Standorts aus der Region Genf. Solche Maßnahmen würden den Austausch mit Berufsverbänden und Partnerinstitutionen erheblich erschweren und die zentrale Rolle dieses Bereichs innerhalb der WHO schwächen.
Die neu ernannte Präsidentin der WMA, Jacqueline Kitulu, rief in ihrer Antrittsrede Ärztinnen und Ärzte weltweit dazu auf, die Förderung der interregionalen Zusammenarbeit sowie der globalen politischen Interessenvertretung konsequent weiterzuverfolgen.
Kitulu betonte, dass die bestehenden Herausforderungen für die Gesundheitssysteme, wie Pandemien, nicht übertragbare Krankheiten, Klimawandel und Arbeitskräftemigration, gemeinsames Lernen und eine einheitliche Interessenvertretung erfordern.
Neben der Entschließung zur WHO verabschiedete die Generalversammlung (8. – 11. Oktober in Porto) weitere Stellungnahmen und Resolutionen zu zentralen berufsethischen und gesundheitspolitischen Fragen.
So wurde unter anderem eine unter Federführung der Bundesärztekammer (BÄK) überarbeitete Stellungnahme zu Interessenkonflikten von Ärzten beschlossen, die praxisnahe Empfehlungen gibt, wie sich Interessenkonflikte in der ärztlichen Tätigkeit vermeiden lassen.
Überarbeitet wurde auch das „Statement on Scope of Practice, Task Sharing and Task Shifting“ (Erklärung zum Tätigkeitsbereich, zur Aufgabenteilung und zur Aufgabenverlagerung). Darin werden zentrale Leitlinien für die Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe formuliert.
Zugleich wird betont, dass Patientinnen und Patienten stets eindeutig wissen müssen, ob sie ärztlich behandelt werden oder von anderem medizinischen Fachpersonal. Hintergrund ist unter anderem die Einführung des neuen Berufsbildes „Physician Associate“ (Arztassistent) im Vereinigten Königreich.
In einer Stellungnahme zum Wohlbefinden sowie in einer Stellungnahme zur psychischen Gesundheit von Ärztinnen und Ärzten hebt die WMA hervor, dass der Schutz der eigenen Gesundheit eine wesentliche Voraussetzung für Patientensicherheit ist.
Nach zehn Jahren wurde zudem die Erklärung zu Transpersonen aktualisiert. Sie unterstreicht, dass Genderinkongruenz nach der WHO-Klassifikation ICD-11 keine Krankheit darstellt, verurteilt sogenannte „Konversionstherapien“ und gibt Empfehlungen zur medizinischen Begleitung transidenter Menschen.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: