Hausärzte sollen Alkoholprobleme offen ansprechen

Magdeburg – Hausärzte sind Vertrauenspersonen und kennen ihre Patienten oft so gut wie kaum jemand sonst. Dennoch gibt es Themen, die viele von ihnen meiden. Das Thema Alkohol gehört dazu. Experten und Betroffene wünschen sich eine Wende.
„Ärzte sollten den Mut haben, das Thema anzusprechen“, sagte die Magdeburger Oberärztin Gitta Friedrichs von der Rehabilitationsfachklinik für Abhängigkeitserkrankungen Alte Ölmühle. Suchterkrankungen spielten im Studium eine zu geringe Rolle. Die Mediziner würden die Alkoholprobleme schon erkennen – nicht nur an der „Fahne“, sondern an Blutbildveränderungen, veränderten Laborwerten, häufigen Stürzen und blauen Flecken.
Zehn Jahre bis zur richtigen Therapie
Dennoch vermittelten sie zu selten den Weg zur Entgiftung, zu Reha, Suchtberatung oder Selbsthilfegruppe; vermutlich aus Unsicherheit, aber auch, weil Beratungsgespräche nicht gut bezahlt seien. Stattdessen würden Symptome behandelt – von Anfallsleiden bis zum Vitaminmangel. Laut Friedrichs dauert es in der Regel zehn Jahre, bis ein Suchtkranker die richtige Hilfe erhält.
Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) betonte, die Hausärzte müssten ertüchtigt werden, mehr Hilfestellung zu leisten. „Sie sind unsere Schlüsselfiguren, wir müssen sie noch stärker unterstützen.“ Neben mehr Informationen seien Sonderbudgets denkbar für Ärzte, die sich spezifisch weiterbilden. Grimm-Benne betonte die Bedeutung von Selbsthilfegruppen, die wichtig seien für den Austausch unter den Menschen mit gleichen Erfahrungen. Sie seien unerlässlich, um sich gegenseitig zu bestärken.
Die Landesstelle für Suchtfragen empfiehlt Ärzten eine nachdrückliche Ansprache. Keine oder eine lapidare Ansprache könne als stillschweigendes Einverständnis oder Missachtung aufgefasst werden. Vorwürfe sollten Ärzte vermeiden. Wichtig sei, dass die Mediziner ihren Patienten und deren Angehörigen Informationen zur Erkrankung lieferten. Hintergrund der Forderungen ist die Aktionswoche Alkohol 2017, die vom 13. bis 21. Mai stattfindet.
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