Ärzteschaft

Hausärzte sollen Alkoholprobleme offen ansprechen

  • Donnerstag, 11. Mai 2017
Umgekippte, fast leere Alkoholflasche /Photographee.eu, stock.adobe.com
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Magdeburg – Hausärzte sind Vertrauenspersonen und kennen ihre Patienten oft so gut wie kaum jemand sonst. Dennoch gibt es Themen, die viele von ihnen meiden. Das The­ma Alkohol gehört dazu. Experten und Betroffene wünschen sich eine Wende.

„Ärzte sollten den Mut haben, das Thema anzusprechen“, sagte die Magdeburger Ober­ärztin Gitta Friedrichs von der Rehabilitationsfachklinik für Abhängigkeitserkran­kungen Alte Ölmühle. Suchterkrankungen spielten im Studium eine zu geringe Rolle. Die Medizi­ner würden die Alkoholprobleme schon erkennen – nicht nur an der „Fahne“, sondern an Blutbildveränderungen, veränderten Laborwerten, häufigen Stürzen und blauen Flecken.

Zehn Jahre bis zur richtigen Therapie

Dennoch vermittelten sie zu selten den Weg zur Entgiftung, zu Reha, Sucht­beratung oder Selbsthilfegruppe; vermutlich aus Unsicherheit, aber auch, weil Bera­tungs­gesprä­che nicht gut bezahlt seien. Stattdessen würden Symptome behandelt – von Anfallslei­den bis zum Vitaminmangel. Laut Friedrichs dauert es in der Regel zehn Jahre, bis ein Suchtkranker die richtige Hilfe erhält.

Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) betonte, die Hausärzte müss­ten ertüchtigt werden, mehr Hilfestellung zu leisten. „Sie sind unsere Schlüsselfi­gu­ren, wir müssen sie noch stärker unterstützen.“ Neben mehr Informationen seien Sonder­budgets denkbar für Ärzte, die sich spezifisch weiterbilden. Grimm-Benne betonte die Be­deutung von Selbsthilfegruppen, die wichtig seien für den Austausch unter den Men­schen mit gleichen Erfahrungen. Sie seien unerlässlich, um sich gegenseitig zu bestär­ken.

Die Landesstelle für Suchtfragen empfiehlt Ärzten eine nachdrückliche Ansprache. Keine oder eine lapidare Ansprache könne als stillschweigendes Einverständnis oder Missach­tung aufgefasst werden. Vorwürfe sollten Ärzte vermeiden. Wichtig sei, dass die Medizi­ner ihren Patienten und deren Angehörigen Informationen zur Erkrankung lieferten. Hin­tergrund der Forderungen ist die Aktionswoche Alkohol 2017, die vom 13. bis 21. Mai stattfindet.

dpa

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