Ärzteschaft

Johna: „Wir müssen ehrlich sagen, was das Gesundheitssystem künftig noch leisten kann“

  • Montag, 26. Mai 2025
Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes  /Maren Strehlau
Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes /Maren Strehlau

Leipzig – Das deutsche Gesundheitswesen muss sich auf den weiter zunehmenden Fachkräftemangel vorbereiten. Das forderte die 1. Vorsitzende des Marburger Bundes (MB), Susanne Johna, heute vor Journalisten in Leipzig.

„Fast jeder vierte Arzt ist heute 60 Jahre oder älter. Bis 2035 werden wir ein Drittel der Menschen im Gesundheitswesen ersetzen müssen“, sagte Johna. Die Menschen, die man dafür brauche, seien aber nicht in der Ausbildung.

„Wir steuern deshalb auf ein echtes Problem zu, das wir seit Jahren sehen, gegen das wir aber nichts tun“, sagte sie weiter. Die Gesellschaft müsse sich überlegen, wie man das Problem angehen könne. Wenn man erst handele, wenn Vieles in der Versorgung wegen des Fachkräftemangels nicht mehr klappe, dann sei es „zu spät.“

Die MB-Chefin mahnte Eile an. Es müsse jetzt über die Frage diskutiert werden wie, wie man Leistungen priorisieren wolle. Besprochen werden muss demnach auch, wie man den Erstkontakt der Patienten in die Gesundheitsversorgung regelt, Patienten sinnvoll gelenkt werden können und man die Prävention voranbringt.

„Wir müssen heute ehrlich sagen, was das Gesundheitswesen künftig noch leisten kann und was nicht“, sagte Johna.

Höhere Impfquoten schützen die Gesellschaft

Bei der Prävention könne Deutschland zum Beispiel von England lernen, erklärte die MB-Vorsitzende. England besteuere Getränke, die mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 ml enthalten, höher. „Das funktioniert“, betonte Johna. „Die Hersteller haben reagiert.“

Zudem müsse Deutschland daran arbeiten, die Impfquoten zu erhöhen. „Höhere Impfquoten vermeiden aktiv Erkrankungen“, erklärte Johna. „Das schützt die Individuen und die Gesellschaft. Wir erleben ja gerade, wie es in den USA nach gesunkenen Masernimpfquoten zu mehr Krankheitsfällen kommt, die alle im Gesundheitssystem versorgt werden müssen.“

Auch eine Entbürokratisierung könne dazu beitragen, dass mehr Zeit für die Patientenversorgung frei werde. „Wir freuen uns über die Ankündigung im Koalitionsvertrag, die Vertrauenskultur im Gesundheitswesen stärken zu wollen. Wir hoffen, dass den guten Worten jetzt Taten folgen werden“, sagte Johna.

Das Problem bei der Entbürokratisierung sei, dass es nicht eine große Schraube gebe, an der man drehen könne, sondern dass dafür viele Einzelmaßnahmen notwendig seien. „Es gibt allerdings sehr viele Vorschläge, die schon auf dem Tisch liegen“, erklärte Johna.

„Zum Beispiel wären bei der Qualitätssicherung im Krankenhaus Stichprobenprüfungen ausreichend. Und wenn ein Verfahren nach etwa vier Jahren keine wesentlichen Probleme mehr aufzeigt, kann es dann auch komplett für alle Krankenhäuser ausgesetzt werden.“

fos

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