Ärzteschaft

Kontroverse um Krankschreibung erst ab Tag vier

  • Montag, 13. Oktober 2025
3 Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen - gelber Schein. /picture alliance
3 Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen - gelber Schein. /picture alliance

Berlin – Arbeitnehmer sollten generell erst ab dem vierten Tag zum Arzt müssen, um sich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) zu holen. Das hat der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zur Entlastung des Gesundheitssystems vorgeschlagen.

Die aktuell geltende Möglichkeit für Arbeitgeber, schon in den ersten drei Tagen eine Krankschreibung zu verlangen, führe zu Abertausenden Arztbesuchen, die nicht zwingend notwendig wären, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Gassen regte darüber hinaus an, die bisherige gesetzliche Frist, dass man drei Tage generell ohne Krankschreibung zuhause bleiben darf, zu verlängern – auf vier oder fünf Tage. „Es geht uns um eine vom mündigen Arbeitnehmer beziehungsweise Arbeitnehmerin selbst verantwortete Karenzzeit.“

Auch bei Kindern sollte aus seiner Sicht nachgesteuert werden – hier ist die Krankschreibung sogar ab dem ersten Krankheitstag erforderlich. „Durch den Verzicht auf diese Bescheinigung bei kurzer Krankheitsdauer könnten, insbesondere in Zeiten mit hohem Infektionsgeschehen, sowohl die kinderärztlichen Praxen als auch die Eltern der erkrankten Kinder deutlich entlastet werden“, sagte Gassen.

Die Arbeitgeber wiesen die Überlegungen postwendend zurück. „Eine pauschale Verlängerung der Karenzzeit würde die Arbeitgeberseite zusätzlich belasten, ohne die strukturellen Probleme zu lösen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter.

Kampeter sagte, es brauche eine stärkere Patientensteuerung. „Nur so kann unser Gesundheitswesen leistungsfähig, treffsicher und bezahlbar bleiben.“ Der Vorschlag der KBV greife jedoch zu kurz.

Die Arbeitgeber unterstützen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in ihren Überlegungen, die Ausgaben gezielt zu senken. „Die Ärzteorganisationen sollten daran konstruktiv mitwirken und nicht durch Nebelkerzen die Debatte in die falsche Richtung lenken.“

dpa/afp

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