Weltkindertag: Verbesserungen bei medizinischer Versorgung von Kindern nötig

Berlin – Mehr Anerkennung und die Durchsetzung von Kinderrechten fordern Organisationen und Verbände anlässlich des morgigen Weltkindertages, der von Unicef Deutschland und dem Deutschen Kinderhilfswerk (DKHW) ausgerichtet wird.
Der Tag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Kinderrechte – Bausteine für Demokratie!“ „Kinder und Jugendliche sollten ihre Rechte kennen, denn nur wenn sie wissen, wie sie sich aktiv einbringen können, verstehen sie, wie Demokratie funktioniert“, sagte dazu der Vorsitzende der Kinderkommission im Bundestag, Michael Hose (CDU).
Dies könne beispielsweise durch Mitbestimmung in der Schule, Teilnahme an Jugendparlamenten oder durch freiwilliges Engagement in sozialen Projekten geschehen, sagte er. Auch die Politik ist laut Hose gefordert die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen stärker zu berücksichtigen, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und sie in politische Prozesse einzubeziehen.
An die grundsätzliche Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz erinnert in diesem Zusammenhang der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).
„Die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz ist überfällig. Psychologische Forschung zeigt eindeutig: Kinder profitieren in ihrer psychischen, sozialen und kognitiven Entwicklung, wenn ihre Rechte systematisch anerkannt und strukturell gesichert sind. Es braucht einen klaren verfassungsrechtlichen Rahmen, um die Rechte von Kindern zu stärken“, heißt es in einem Positionspapier des Verbandes.
Eine „dringende Wende in der medizinischen Versorgung von Kindern“ mahnt unterdessen die Ärztekammer Berlin (ÄKB) an. Sie warnt, dass es in der Hauptstadt immer weniger Augenärzte gebe, die Kinder behandelten. Problematisch sei außerdem die operative HNO-Versorgung für Kinder und die kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung.
Hinzu komme, dass es in den meisten Notaufnahmen zu wenig Kapazitäten für Kinder gebe, sodass viele Kinder noch immer außerhalb einer pädiatrischen Versorgung aufgenommen und nicht adäquat behandelt würden. „Die Kinderversorgung erhält weiterhin nicht den notwendigen Stellenwert in der Politik“, kritisierte Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin.
Mehr übergreifendes Engagement für die Prävention bei Jugendlichen verlangt der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD): Doch noch immer nehme nur etwa die Hälfte der Jugendlichen die Möglichkeiten zur Jugendgesundheitsuntersuchung J1 wahr.
„Die J1 ist eine einmalige Gelegenheit, Jugendliche in einer sensiblen Phase ihrer Entwicklung zu erreichen. Sie schafft Raum für vertrauliche Gespräche, für die Kontrolle des Impfstatus und für die Ansprache von Themen wie psychische Belastungen, Sucht oder Sexualität“, erläuterte der BVÖGD-Vorsitzender Peter Schäfer. Damit dieses Angebot alle erreiche, müssten Gesundheitsämter, Niedergelassene, Schulen, Kommunen und Eltern Hand in Hand arbeiten, so Schäfer.
Auf ein neues Versorgungsangebot via Videosprechstunde weist zum Weltkindertag die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen hin: Ab dem 1. Oktober 2025 sind die Kindervideoärzte der KV mehrmals wöchentlich im Einsatz.
Eltern von akut erkrankten Kindern und Jugendlichen können über die Rufnummer 116117 immer mittwoch- und freitagnachmittags zwischen 14 und 19 Uhr sowie an den Wochenenden, Feier- und Brückentagen zwischen 9 und 19 Uhr Termine in der Videosprechstunde des Pädiatrischen Bereitschaftsdienstes vereinbaren.
Neue Wege für eine bessere Versorgung von Kindern und Jugendlichen geht auch die KV Rheinland-Pfalz (KVRLP) mit ihren „Kinderärztlichen Dialogen“. Das von der KV gemeinsam mit Kommunen, Gesundheitsämtern sowie ambulant und stationär tätigen Kinderärztinnen und -ärzten initiierte Format beschränkte sich bisher auf einzelne Brennpunkte im Norden des Bundeslandes, wird aber jetzt erweitert.
„Unserer Ansicht nach war es nun an der Zeit, alle Akteurinnen und Akteure zusammenzubringen – mit dem Ziel, sich weiter zu vernetzen und voneinander zu profitieren“, erläuterte Melitta Fechner vom Beratungsteam der KV. So stellten die einzelnen Teilnehmenden das jeweils bisher Erreichte bei einem gemeinsamen Termin in Koblenz vor.
Geplant ist zudem, den „Kinderärztlichen Dialog“ auszuweiten: „Bisher haben wir nur in den Brennpunkten gearbeitet. Nun möchten wir auch Regionen wie Koblenz, Ahrweiler, Trier, Trier-Saarburg oder den Rhein-Hunsrück-Kreis hinzunehmen“, so Fechner.
Der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen und eine mögliche Altersbeschränkung für Social Media ist ebenfalls Thema des Weltkindertages: Laut der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) könne moderater Social-Media-Konsum auch positive Effekte haben.
In der Praxis gebe es neben Patienten, „deren pathologischer Medienkonsum sie psychisch krank macht, ebenso Kinder und Jugendliche, die erst aufgrund ihrer psychischen Belastung übermäßig am Smartphone hängen, etwa weil sie aufgrund einer Depression zu wenig Antrieb für andere Aktivitäten haben“, sagte Josepha Katzmann, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin sowie Mitglied im Bundesvorstand der Vereinigung.
Die Debatte um Altersgrenzen und Smartphoneverbote greife daher zu kurz. „Entscheidend ist, die Ursachen psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen, wie Schulstress, belastete Familien, Armut oder Krisenerfahrungen anzugehen und gleichzeitig mehr präventive sowie therapeutische Angebote zu schaffen“, sagte Katzmann.
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