Konversionstherapien: Brüssel sieht keine Möglichkeit für EU-weites Verbot

Brüssel – Die Europäische Kommission hat einem EU-weitem Verbot sogenannter Konversionstherapien gegen lesbische, schwule, bisexuelle oder trans Menschen vorerst eine Absage erteilt. Für einen solchen Schritt seien die 27 EU-Staaten selbst verantwortlich, teilte die Kommission heute in ihrer Antwort auf eine Petition mit. In Deutschland sind die Praktiken seit 2020 gesetzlich verboten.
Sogenannte Konversionstherapien sind keine medizinische Behandlung. Sie geben vor, Menschen zu einer Änderung ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung zwingen zu können. Teilweise kommen dabei Elektroschocks, die Einnahme von Hormonen und exorzistische Riten zum Einsatz.
Ein solches Vorgehen habe „in unserer Union keinen Platz“, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen heute. Die Kommission sieht nach eigenen Angaben aber keine „effiziente“ Möglichkeit, die Praktiken per EU-Gesetz zu verbieten, weil die rechtliche Grundlage dafür fehle und nur durch Einstimmigkeit aller 27 Mitgliedstaaten eingeführt werden könne.
Brüssel will den nationalen Regierungen deshalb nahelegen, selbst ein Verbot zu beschließen, und dafür im kommenden Jahr eine formale Empfehlung vorlegen. Eine solche Forderung aus Brüssel wäre aber nicht bindend.
Neben Deutschland haben Frankreich, Belgien, Portugal, Spanien, Griechenland, Malta und Zypern die Praktiken vollständig verboten. Auch die Vereinten Nationen fordern seit 2020 ein umfassendes Verbot.
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