Knie- und Hüftgelenksoperationen: Versorgungskonzept führt zu schnellerer Eigenständigkeit nach der OP

München – Eine schnellere Mobilität und Eigenaktivität verspricht das Fast-Track-Konzept bei endoprothetischen Operationen.
Besonders wichtige Aspekte dabei seien eine kontinuierliche Ansprechperson, die sogenannten Fast-Track-Nurses, und die Patientenedukation, erklärte Rüdiger Eisenhart-Rothe vom TUM Klinikum Rechts der Isar und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE), diese Woche auf dem Kongress der Fachgesellschaft in München.
Das Fast-Track-Konzept soll eine multimodale perioperative Patientenversorgung gewährleisten und die Erholung nach einer Operation beschleunigen. In anderen chirurgischen Bereichen könnten damit sehr gute Ergebnisse erzielt werden, so Eisenhart-Rothe. „In der Endoprothetik muss man klar sagen: Es fehlen noch spezifische Daten dafür, und vor allem fehlen auch klare Finanzierungsmodelle“.
Die Ambulantisierung und der Fachkräftemangel erschwerten die Nachsorge und es komme etwa zwischen einer stationären Rehabilitation und einer ambulanten Physiotherapie zu Wartezeiten von mehreren Wochen ohne Versorgung. Durch das Fast-Track-Modell sowie durch digitale Unterstützung ließe sich diese Situation verbessern.
In der Endoprothetikversorgung in München wurde das Modell für Kniegelenksoperationen im Juli 2024 und für Hüftgelenksoperationen im Mai 2025 eingeführt.
Vor der Operation erhalten die Patienten und Patientinnen seitdem neben weiteren Maßnahmen ein vorbereitendes Seminar. Dort lernen sie Eisenhart-Rothe zufolge etwa bereits die Benutzung von Gehstützen. Zusätzlich haben die Betroffenen mit den Fast-Track-Nurses eine kontinuierliche Ansprechperson.
„Die Rückkehr in die Eigenständigkeit geht viel schneller“, so Eisenhart-Rothe. Der Klinik zufolge waren vor Einführung des Programms 30 Prozent der Operierten am ersten Tag mobil, nach der Einführung waren es 84 Prozent.
Ein weiterer Baustein sei die Digitalisierung. „Mit telemedizinischen Angeboten kann ich für den Patienten einfache Fragen klären“, so Eisenhart-Rothe. Zusätzlich erlaubten Wearables die Erhebung von objektiven und kontinuierlichen Bewegungsdaten, wie Schritte, Gehgeschwindigkeit, Symmetrie, Belastung, Bewegungsumfang oder Aktivitätsverlauf.
Um solche Daten zu erheben, hat das TUM Klinikum Rechts der Isar eine App entwickelt. Die Newknee-App kombiniere Sensordaten aus smarten Einlegesohlen oder tragbaren Beschleunigungssensoren mit Funktionsscores, Schmerzen und radiologischen Befunden, erklärte Eisenhart-Rothe. So könne personalisiert gesteuert werden, wer etwa eine intensivere Nachsorge benötige.
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