Unimedizin Lausitz: Aufbau in Rekordzeit

Potsdam – Anfang August 2021 stellte eine Expertenkommission unter Vorsitz des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Berliner Charité, Karl Max Einhäupl, ein Konzept für den Aufbau eines Medizinstudiengangs in Cottbus vor. Jetzt – fünf Jahre später – werden in diesem Herbst die ersten Studierenden an der „Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem“ immatrikuliert.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) würdigten den raschen Aufbau der Cottbuser Universitätsmedizin als Erfolgsprojekt.
„Die Lausitz zeigt heute, was möglich ist“, sagte Woidke. Schüle hob hervor, dass in Cottbus eine Medizinische Universität entstehe, die es so noch nicht gebe. „Mit einem patientenzentrierten Modellstudiengang, der die Digitalisierung und Gesundheitssystemforschung besonders berücksichtigt.“
Ausgangspunkt für die Gründung der Medizinuniversität war der Strukturwandel in der Lausitz nach dem Kohleausstieg. Hinzu kamen die Sicherung der Gesundheitsversorgung und der Ausbau von Wissenschaft und Forschung zu neuen Wachstumstreibern für die Lausitz.
Daraus entstand die Idee einer „Modellregion Gesundheit Lausitz“ mit einer staatlichen Universitätsmedizin. Nach einem positiven Votum des Wissenschaftsrates im April 2024 verabschiedete der Landtag im Juni 2024 das Brandenburgische Universitätsmedizingesetz.
Am 1. Juli 2024 wurde die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) gegründet – das bisherige Carl-Thiem-Klinikum wurde damit zum ersten staatlichen Universitätsklinikum Brandenburgs. Zum Wintersemester 2026/2027 startet der Modellstudiengang Humanmedizin mit zunächst 36 Studierenden. Bis 2035 soll die Zahl auf etwa 165 Studienanfängerinnen und Studienanfänger pro Jahr steigen.
Bis dahin allerdings muss dann auch geklärt sein, wie sich die MUL-CT mittelfristig finanzieren soll. Denn während der 3,8 Milliarden Euro teure Aufbau der Universitätsmedizin zu mehr als der Hälfte aus Bundesmitteln finanziert wurde, die dem Land im Rahmen des Braunkohleausstiegs zur Verfügung gestellt wurden, ist die Finanzierung des weiteren Betriebs von Brandenburgs jüngster Hochschule spätestens ab Mitte der 2030er Jahre zumindest nach derzeitigem Stand eine Angelegenheit des Landes Brandenburg.
Und der Haushalt des Landes ist in diesen Tagen alles andere als auf Rosen gebettet. Weil Brandenburgs Finanzminister Daniel Keller (SPD) ein Defizit in Höhe von rund 3,5 Milliarden Euro ausgleichen muss, muss das Land fünf Prozent der Stellen in der Landesverwaltung abbauen. Nur Polizei, Lehrer und Justiz sollen von den Sparmaßnahmen ausgenommen bleiben.
Und auch zahlreiche freiwillige Leistungen des Landes – etwa die Förderungen von Naturschutzverbänden – könnten auf der Strecke bleiben. Wie sich Brandenburg in knapp einem Jahrzehnt eine teure Universitätsmedizin alleine leisten können will, ist derzeit offen.
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