Niedersachsen: Kampagne gegen Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen gestartet

Hannover – Mit einer entsprechenden Initiative soll auf die wiederholte und zunehmende Gewalt gegen Beschäftigte im Gesundheitswesen aufmerksam gemacht und für einen respektvollen Umgang miteinander im Gesundheitswesen sensibilisiert werden.
Das niedersächsische Gesundheitsministerium startete heute gemeinsam mit der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), dem Marburger Bund Niedersachsen (MB), der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) die landesweite Kampagne „Wer hilft, verdient Respekt“.
Im Fokus der Kampagne steht die Verteilung von Plakaten und Informationspostkarten an niedersächsische Arztpraxen und Krankenhäuser, Media-Kits sowie eine niedersachsenweite Plakatierung im öffentlichen Raum und Kinowerbung.
„Die vermehrten Übergriffe der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten gefährdet ist und das Arbeitsklima stark belastet wird. Gewalterfahrungen können sich negativ auf Berufszufriedenheit und die Attraktivität der Gesundheitsberufe auswirken“, warnte Andreas Philippi (SPD), niedersächsischer Gesundheitsminister. Der gesellschaftliche Respekt und die Wertschätzung gegenüber der Arbeit von Beschäftigten im Gesundheitswesen seien weiterhin unzureichend.
Deswegen brauche man neben konkreten Schutzmaßnahmen eine stärkere gesellschaftliche Sensibilisierung, so Philippi weiter. Ein wertschätzender Umgang sei essenziell für ein funktionierendes Gesundheitswesen und eine sichere Versorgung der Bevölkerung.
Marion Charlotte Renneberg, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, verwies darauf, dass Beleidigungen, Beschimpfungen, körperliche Übergriffe und extreme Gewalttaten in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen haben. Für viele Ärztinnen und Ärzte, medizinische Fachangestellte, Pflegefachkräfte und alle anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen gehörten Grenzüberschreitungen bedauerlicherweise fast schon zum Berufsalltag – und die Gesundheitsversorgung leide darunter. Dies dürfe man als Gesellschaft nicht tolerieren.
„Mit der Kampagne setzen wir ein klares Zeichen für mehr Respekt im Gesundheitswesen. Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit den Menschen, die täglich für die Gesundheit anderer da sind – und zugleich einen wirksamen Schutz vor Gewalt“, betonte Hans Martin Wollenberg, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes Niedersachsen.
Die letzte Mitgliederbefragung MB-Monitor habe gezeigt, wie präsent Gewalt und Respektlosigkeit im ärztlichen Arbeitsalltag sind, so Wollenberg. Fast 90 Prozent der Befragten erlebten demnach verbale Gewalt, mehr als die Hälfte körperliche Gewalt.
Von ähnlichen Entwicklungen im niedergelassenen Bereich berichtete Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Fast jeder zweite Arzt und Psychotherapeut sowie fast jede zweite Medizinische Fachangestellte sei in den vergangenen fünf Jahren mindestens einmal von einem Patienten körperlich angegriffen oder bedroht worden. Die meisten Praxen klagten über eine zunehmende Aggressivität und Respektlosigkeit von Patienten.
Das Niedersächsische Gesundheitsministerium hatte im vergangenen Jahr eine Bundesratsinitiative zur Verbesserung des Schutzes der Mitarbeitenden im Gesundheitswesen eingereicht. Mit der Initiative wird die Bundesregierung aufgefordert, zeitnah einen Gesetzentwurf zur Verbesserung des Schutzes von Beschäftigten im Gesundheitswesen vorzulegen.
Neben möglichen strafrechtlichen Anpassungen fordert Niedersachsen auch Maßnahmen zur Prävention von Gewalt, zur Finanzierung von Sicherheitsmaßnahmen und Deeskalationskonzepten sowie zur Verbesserung der Personalausstattung im Gesundheitswesen.
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