Politik

Ruf nach mehr Unterstützung für pflegende Angehörige

  • Dienstag, 8. September 2026
/picture alliance, Daniel Reinhardt
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Berlin – Pflegende Angehörige benötigen mehr Unterstützung. Das haben zum heutigen Tag der pflegenden Angehörigen eine Reihe von Verbänden angemahnt. Hintergrund sind nicht zuletzt politische Sparpläne.

In der gesetzlichen Pflegeversicherung gibt es ein Milliardenloch. Das wollte die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) unter anderem durch stärkere Belastungen für Kinderlose und Einsparungen bei der Rente pflegender Angehöriger stopfen.

Zumindest beim letzten Vorschlag hat ihr Nachfolger Carsten Linnemann (CDU), der heute im Bundestag vereidigt wurde, eine Korrektur angekündigt. „Ich möchte bei pflegenden Angehörigen, bei der Rente, nicht sparen“, hat er gesagt. Dafür müssten aber noch die finanziellen Mittel zur Gegenfinanzierung gefunden werden.

Die Verbände mahnten heute Änderungen an. „Pflegende Angehörige halten unser Pflegesystem jeden Tag am Laufen“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier. Wer sie entlasten wolle, dürfe ihre Absicherung nicht kürzen und Pflegebedürftigen den Zugang zu Leistungen nicht erschweren.

Engelmeier betonte, viele Pflegende reduzierten ihre Erwerbstätigkeit und nähmen dadurch finanzielle Nachteile bis hin zu Nachteilen für die eigene Alterssicherung in Kauf.

Der SoVD fordert den Ausbau von Tages- und Verhinderungspflege, ambulanten Diensten und Beratungsangeboten. Zudem brauche es angemessene Pflegezeiten mit einer Entgeltersatzleistung analog zum Elterngeld sowie eine bessere rentenrechtliche Absicherung.

„Die Pflegekassen dürfen nicht auf Kosten pflegender Angehöriger saniert werden“, erklärte Ursula Helms, Vorstandsmitglied des Verbandes „Wir pflegen“ in Nordrhein-Westfalen. Die finanzielle Schieflage der Pflegeversicherung sei ein strukturelles Problem und könne nicht dadurch gelöst werden, dass Familien noch mehr Kosten übernehmen oder Angehörige noch mehr unbezahlte Pflege leisteten.

Der Verband fordert daher einen „Sockel-Spitze-Tausch“ bei den Pflegekosten. „Die Pflegeversicherung muss die steigende Spitze der Pflegekosten übernehmen, während Pflegebedürftige im Pflegeheim sowie in der häuslichen Pflege einen planbaren und gedeckelten Sockel selbst tragen“, hieß es aus dem Verband.

Pflegende Angehörige entlasten will auch Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU). „Gut ist, dass der neue Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) auf die bislang vorgesehenen Einsparungen bei den Rentenansprüchen für pflegende Angehörige verzichten will“, sagte sie. Bayern habe sich intensiv für die Korrektur an den Reformplänen der Bundesregierung eingesetzt, so die Ministerin.

Der aktuellen Pflegestatistik zufolge wurden im Jahr 2023 in Deutschland 4,9 Millionen pflegebedürftige Menschen zu Hause versorgt. Das entsprach nach Angaben der Stiftung ZQP etwa sechs von sieben pflegebedürftigen Menschen.

Für mehr als 3,1 Millionen als pflegebedürftig eingestufte Menschen übernahmen pflegende Angehörige allein die Versorgungsverantwortung. Bei rund einer weiteren Million Menschen wurde die pflegebezogene Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst oder eine Kombination aus pflegenden Angehörigen und Pflegedienst erbracht.

hil

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