Konservierungsstoffe: Bundesinstitut sieht keinen Grund für Neubewertung des Krebsrisikos

Berlin – Nach Auswertung einer im Januar erschienenen Studie zum Krebsrisiko bestimmter Konservierungsstoffe in Lebensmittel sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keinen Anlass, das Krebsrisiko der untersuchten Substanzen neu einzustufen.
Hintergrund sind dem Institut zufolge erhebliche methodische Mängel der Studie. Die Untersuchung war im British Medical Journal erschienen. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete (2026; DOI: 10.1136/bmj-2025-084917).
In der Studie wurde aus den Angaben von 105.260 Teilnehmenden zu ihrer Ernährung auf die in den Lebensmitteln enthaltenen Konservierungsstoffe zurückgeschlossen. Während des Studienzeitraums erkrankten 4.226 von ihnen an Krebs.
Elf der 17 untersuchten Konservierungsstoffe waren nicht mit dem Auftreten von Krebs in Verbindung zu bringen. Für die übrigen sechs Substanzen ergab sich eine statistisch signifikante Assoziation mit einer erhöhten Tumorhäufigkeit.
Sollten sich die Daten bestätigen, sprächen sie für eine Neubewertung der Vorschriften, die den Einsatz von Zusatzstoffen in der Lebensmittelindustrie regelten, hieß es aus dem Forschungsteam um Anaïs Hasenböhler von der Université Sorbonne in Paris.
Das BfR betont bei seiner Bewertung zunächst, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die per se keine Kausalität klärt. In der Studie würden zudem Assoziationen zwischen einer Vielzahl von Konservierungsstoffen und dem Auftreten von Krebserkrankungen betrachtet.
Damit sei die Untersuchung anfällig für das Phänomen des „multiplen Testens“: Dieses besagt, dass bei der Ausführung mehrerer statistischer Tests die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass einzelne zufällig ein falsch positives Ergebnis liefern.
Ein wesentliches Problem in Beobachtungsstudien ist nach Angaben des BfR zudem das Auftreten von Störfaktoren. In vorliegendem Fall sei es beispielsweise schwierig, den Effekt bestimmter Konservierungsstoffe von dem der Lebensmittel zu trennen, in dem sie vorkommen – zum Beispiel hänge die Aufnahme von Sulfiten im Wein mit dem Weinkonsum selbst zusammen.
Ein beobachtetes Krebsrisiko bei Sulfiten sei daher möglicherweise eher auf den Alkoholkonsum als auf den Konservierungsstoff zurückzuführen. Nicht zuletzt kritisiert das BfR die Datengrundlage der Studie – diese ist nämlich eine Schätzung der Aufnahme von Konservierungsstoffen auf der Basis von Selbstauskünften der teilnehmenden Personen.
„Die beobachteten Assoziationen sind mit Unsicherheiten behaftet und sollten mit Vorsicht interpretiert werden“, schreibt das BfR abschließen. Zu diesem Fazit kommen im Übrigen auch externe Wissenschaftler in einem Editorial in der gleichen Ausgabe des BMJ. „Angesichts der nur moderat erhöhten Risikoschätzungen lässt sich kein kausaler Zusammenhang ableiten“, schreiben sie dort (2026; DOI: 10.1136/bmj.r2613).
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