Ruf nach EU-weiten Anstrengungen für mehr Organtransplantationen

Berlin/Brüssel – Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) hat die Europäische Kommission zu deutlich mehr Anstrengungen in der Transplantationsmedizin aufgerufen.
Zusammen mit anderen Fachgesellschaften in der Europäischen Union (EU) drängt sie darauf, die im Jahr 2024 verabschiedeten EU-Ratsbeschlüsse zu Organspende und Transplantation in konkrete politische Maßnahmen zu überführen. Hintergrund ist der nach wie vor signifikante Organmangel.
Der Handlungsdruck ist nach Angaben der DGfN aus deutscher Sicht besonders hoch, weil hierzulande rund 8.200 Menschen auf ein Spenderorgan warteten – die meisten von ihnen auf eine neue Niere. Die durchschnittliche Wartezeit auf ein Spenderorgan betrage in Deutschland bis zu zehn Jahre, da nur sehr wenige Menschen als Organspender zur Verfügung stünden, so die Fachgesellschaft.
Die DGfN unterstützt daher eine europaweite Initiative der European Kidney Health Alliance (EKHA) und weiterer Fachgesellschaften. Diese drängen die Europäische Kommission dazu, einen zweiten EU-Aktionsplan zu Organspende und Transplantation auf den Weg zu bringen.
Konkret fordert die EKHA unter anderem „die Einrichtung optimierter nationaler und EU-weiter Netzwerke zur Koordinierung von Organspenden und -transplantationen, unterstützt durch strukturierte Schulungen für medizinisches Fachpersonal und den Austausch bewährter Verfahren unter Kollegen“.
Nötig seien außerdem unter anderem gezielter Maßnahmen zur Verringerung sozialer und regionaler Ungleichheiten und zur Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und des Organaustauschs zwischen den Mitgliedstaaten.
Für Deutschland fordert die DGfN darüber hinaus weitere Maßnahmen, um den Zugang zur Transplantation zu verbessern. Dazu gehöre die Einführung einer Widerspruchslösung, um mehr Menschen eine rechtzeitige Transplantation zu ermöglichen. Nötig sei außerdem mehr Prävention und Forschung zur Nierengesundheit.
„Mindestens ebenso wichtig ist es, Nierenkrankheiten zu verhindern, früh zu erkennen und ihr Fortschreiten aufzuhalten. Dafür braucht es konsequente Prävention, Forschung und ein exzellentes klinisches Netzwerk. Die DGfN setzt sich deshalb für die Gründung eines Deutschen Zentrums für Nierengesundheit (DZNG) ein“, sagte die DGfN-Generalsekretärin Nicole Helmbold.
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