S3-Leitlinie zur Behandlung depressiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen aktualisiert

Berlin/München – Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie hat eine aktualisierte Fassung der S3-Leitlinie „Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen“ vorgestellt.
„Vor allem die frühzeitige Beteiligung der Kinder und Jugendlichen mit einer Depression an den Therapieentscheidungen auf der Basis einer alters- und entwicklungsangemessenen Aufklärung und Partizipation ist eine wichtige Neuerung in der Leitlinie“, erläuterte Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Klinikum der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Er hat mit einer Arbeitsgruppe der Klinik die Leitlinie federführend überarbeitet.
Depressive Störungen gehören weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie treten bereits im frühen Kindesalter auf und tragen erheblich zur Krankheitslast bei Kindern und Jugendlichen bei. Zudem erhöhen sie das Risiko für weitere psychische und somatische Erkrankungen.
„Eine wichtige neue Empfehlung ist, dass unabhängig vom Schweregrad der Depression nach der fachärztlichen Diagnosestellung eine Behandlung immer erfolgen soll“, betonte Schulte-Körne. Da sich Symptomatik, Behandlungsbedarf und Wirksamkeit therapeutischer Ansätze altersabhängig unterscheiden, lassen sich Erkenntnisse aus dem Erwachsenenbereich laut dem Leitlinienteam nicht auf Kinder und Jugendliche übertragen.
Erstmals spricht die Leitlinie deshalb sogar getrennte Empfehlungen für drei Altersgruppen aus: jüngere Kinder (drei bis sechs Jahre), ältere Kinder (sieben bis zwölf Jahre) und Jugendliche (13–18 Jahre).
Beispielsweise gewinnen bei den mittleren Altersgruppen familienbasierte Verfahren an Bedeutung – so wird für sieben- bis zwölfjährige Kinder die familienbasierte interpersonelle Therapie als Alternative zur Behandlung der ersten Wahl angeraten, während für drei- bis sechsjährige Kinder die Parent-Child-Interaction-Therapy – Emotion Development (PCIT-ED) empfohlen wird.
Über alle Altersgruppen der Kinder und Jugendlichen sowie Schweregrade hinweg betrachtet die Leitlinie aber weiterhin die Psychotherapie als vorrangige Behandlungsform.
Gleichzeitig wurden die Empfehlungen zur Pharmakotherapie bei mittelgradigen und schweren depressiven Störungen erweitert: Während in der Erstfassung der Leitlinie nur Fluoxetin als Wirkstoff empfohlen wurde, gelten nun Fluoxetin, Sertralin und Escitalopram als Pharmakotherapien der ersten Wahl.
Ergänzende Maßnahmen gewinnen in der Behandlung depressiver Störungen zunehmend an Bedeutung. Die Leitlinie spricht explizite Empfehlungen für Sport und Bewegung, künstlerische Therapien sowie begleitende Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe aus.
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